Meine Damen und Herren, es ist so weit – ab heut‘ beginnt die Fastenzeit! Einige haben die letzten beiden Tage ja schon unfreiwillig auf den Fasching verzichtet, weil die Temperaturen vielleicht zu kalt waren, und das ausgewählte Kostüm einfach viel zu dünn. Ich kann mich noch gut erinnern, wie mich das als Kind immer traurig gemacht hat, wenn ich ein wirklich großartiges Kostüm hatte und ich eine Jacke darüber ziehen musste, damit ich mich nicht erkälte. Dabei hätte ich jede Krankheit in Kauf genommen, wenn ich doch nur „schön maskiert“ gewesen wäre.
Heute ist mir das Wetter eigentlich egal, weil ich dem Fasching komplett entsage, anderen aber von Herzen diesen Spaß gönne. Diese Freunde der Verkleidung waren heute um Mitternacht bestimmt todtraurig, als man ihren „Freund“ beerdigt hat. Von heute bis 4. April muss/kann/sollte/darf man fasten. Was und wie, das bleibt jedem selbst überlassen. Ich glaube, dass sich die meisten auf das Fasten von Kalorien festlegen. Mein Mann zum Beispiel verweigert ab heute alles, was süß ist (außer mir natürlich!). Keine Schokolade, kein Kuchen, kein Marmeladenbrot. Und er zieht das wirklich gnadenlos durch. Bewundernswert.
Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, aber ich möchte auch auf irgendwas verzichten. Ich denke, es wird auf alle Fälle auch in Richtung Essen gehen. Noch wichtiger: Abends auf der Couch das Handy einfach mal ausschalten und weglegen. Da wird mein Mann lächeln. Ich verliere mich immer, wenn ich Filmchen anschaue, von einem zum nächsten switche und gar nicht mehr merke, wie die Zeit vergeht. Da wird mein Mann nicken. Fast hätte ich vergessen, dass ich sogar über die Fastenzeit hinaus faste. Nämlich das ganze erste Halbjahr. Das mache ich jetzt schon das dritte Mal – unnötige Einkäufe fasten. Damit meine ich keine Lebensmittel, sondern Kleidung, Schuhe und Schnickschnack. Ich kaufe nichts, was ich nicht wirklich brauche. Manchmal neige ich dazu, Dinge zu „retten“, weil sie viel zu schade sind, um in einem Laden zu bleiben. Das gefällt meinem Mann.
Fastenzeit. Daran wird man auch immer wieder erinnert, gerade wenn man nicht damit rechnet. Sollten Sie in dieser Zeit fliegen: ‚Fasten your seatbelts‘ zum Beispiel, das kann man auch als Mahnung ‚Schnalle deinen Gürtel enger‘ verstehen. Wie und was auch immer gefastet wird, wenn man es durchhält, kann man gewaltig stolz auf sich sein, und wenn nicht, dann hadert man einfach mit sich selbst – denn letztlich gibt es niemanden, der das Durchhalten überprüft und gegebenenfalls bestraft! Gestraft wird man allerdings so richtig, wenn man mit Menschen zu tun hat, die auch über die Fastenzeit hinaus das Denken, den Anstand, die Rücksichtnahme, die Freundlichkeit und den Humor „fasten“.