Ärztin Polina B. wurde von ihrem Enkel getötet. © privat
Jonathan B. (Mi.) mit seinen Anwälten Andreas Remiger (re.) und Johannes Makepeace. © SIGI JANTZ
Er zieht die Kapuze tief ins Gesicht, hält einen Aktendeckel davor – doch seinem Schicksal kann Jonathan B. (24) nicht entgehen. Am Landgericht gesteht er, seine Oma Polina (76) getötet zu haben. Rasend vor Wut, „weil sie mich erniedrigte“. Jetzt droht ihm lebenslänglich wegen Mordes.
Das Verhältnis zur Großmutter sei stets „schwierig“ gewesen und von emotionaler Abhängigkeit geprägt. „Ich hatte nie das Gefühl, ihr zu genügen. Sie hat mich immer wieder als Versager dargestellt, ich sei kein richtiger Mann“, lässt der arbeitslose Enkel über seine Anwälte vortragen. Während er selbst gekrümmt auf der Anklagebank sitzt, die Haare kurz geschoren, seine Beine zittern – er wirkt, als würde er gleich explodieren. Gleich zwei Polizisten müssen den eher schmächtigen Jonathan B. im Gericht bewachen, weil er als hochaggressiv gilt.
Am 16. März 2025 ist der Streit mit Polina B. eskaliert: In ihrer Schwabinger Wohnung hatte Jonathan B. Mangos und Bananen gegessen – sie warf ihm Diebstahl vor. Und drohte mit Kontaktabbruch. „Sie beleidigte mich, das ging über Minuten. Ich habe mich entwertet gefühlt und wollte nur noch, dass das aufhört“, lässt B. seine Anwälte verlesen. „Ich schrie zurück, sie solle die Klappe halten. Sie ohrfeigte mich hart. Dann verlor ich die Kontrolle. Als ich von ihr abließ, hatte sie keinen Puls mehr.“
Was er genau tat – und wie: Dazu sagt der Angeklagte nichts. Nur so viel: Er sei „entgleist“ – und habe „verschwommen gesehen“. Als „unentschuldbar“ sieht B. die Tat, für die er nun Verantwortung übernehmen wolle – bei der Polizei hatte er den Mord stets bestritten. „Ich habe ihre und meine Familie damit zerstört. Das werde ich mir nie verzeihen.“
Ein Streit, eine Tat im Affekt – angeblich ungeplant. Damit wollen die Verteidiger auf einen Totschlag und maximal 15 Jahre Haft hinaus. Doch die Staatsanwaltschaft geht von einem Raubmord aus. Und nennt Details: Mit extremer Gewalt soll B. seine Oma stranguliert haben – laut Anklage aus Habgier und Heimtücke. Weil Polina B. mit einem Kontaktabbruch drohte, habe ihr Enkel befürchtet, keine finanzielle Unterstützung mehr von ihr zu bekommen.
Nach der Tat sei er „in Panik“ verfallen, behauptet Jonathan B. Die Staatsanwaltschaft sieht dagegen ein klares Kalkül: Mit Polinas Bankkarten wollte er sich laut Anklage Zugang zu ihrem Bankschließfach der Stadtsparkasse im Tal verschaffen, was ihm aber nicht gelang. Dort verwahrte die Seniorin neben Schmuck rund 69 000 Euro und 20 000 US-Dollar.
Unfassbar: Um seine Tat zu verschleiern, „fügte der Angeklagte der verstorbenen Geschädigten mit einem Messer an beiden Unterarmen senkrecht verlaufende Schnittverletzungen zu und legte den Leichnam in die Badewanne“, wirft die Staatsanwaltschaft Jonathan B. vor. Er gesteht, dass er „einen Suizid vortäuschen“ wollte. Danach beseitigte er laut Anklage „mögliche Tatspuren in der Wohnung und versperrte die Badezimmertüre von außen“.
Der Putzfrau schrieb Jonathan B. anschließend noch eine Nachricht mit dem Handy seiner toten Großmutter: „Bitte kommen Sie heute nicht, morgen wäre besser.“ Danach floh er zunächst nach London, kam aber angeblich aus Angst wieder zurück und versteckte sich in verschiedenen Münchner Hotels – dort konnte die Polizei ihn fünf Tage nach der tödlichen Attacke festnehmen. Bis zum 14. April verhandelt das Landgericht den Fall. A. THIEME