Dieser Nachwuchs ist affenstark

von Redaktion

Hellabrunn: Happy End bei Jambos komplizierter Schimpansen-Patchwork-Familie

Die Schimpansin Zenta (45) folgt Jambo (11) auf Schritt und Tritt und könnte für ihn zum Vermittler werden.

Tierpfleger Simon Kuhn. © Marcus Schlaf (3), Hellabrunn

Schimpansen-Männchen Jambo kam vor einem Jahr nach Hellabrunn. Seine Eingewöhnung ist schwierig, jetzt ist er Vater des neuen Schimpansen-Babys im Tierpark (Foto re.). Dessen Geschlecht konnte noch nicht bestimmt werden.

Es hätte tödlich enden können: Bei der ersten direkten Begegnung des vor einem Jahr in Hellabrunn aufgenommenen Schimpansen Jambo gingen die beiden Männchen Walther und Willy gemeinsam auf den Neuling los. Die Tierpfleger versuchten, das Schlimmste zu verhindern, indem sie mit einem Wasserschlauch in die wüste Schlägerei eingriffen. Als es endlich gelang, die Streithähne mit Hydraulik-Schiebern zu trennen, war Jambo schwer lädiert, sein Mittelfinger gebrochen – der Versuch, das 2014 im Badoca Safari Park in Portugal geborene Männchen in die Gruppe zu integrieren, war damit vorerst gescheitert.

Den Tierpflegern war klar, dass es nicht einfach werden würde, dass die seit 2003 bestehende siebenköpfige Hellabrunner Schimpansenfamilie Jambo aufnehmen würde. Schließlich hatten schon im Zoo von Pilsen die dortigen Primaten das Männchen nicht akzeptieren wollen. „Jambo ist nur mit seiner Mutter und seiner Schwester aufgewachsen, er hat nie gelernt, wie er sich bei Konflikten gegenüber anderen Männchen verhalten soll“, erzählt Tierpfleger Simon Kuhn. So beherrscht Jambo etwa die typischen Unterwerfungsgesten nicht so gut, mit denen der Angriff der beiden Männchen hätte entschärft werden können.

Das Scheitern der Integration im Pilsener Zoo war der Grund dafür, dass das zuständige Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) entschied, Jambo nach München zu bringen. Und nach den anfänglichen Problemen wurde das jetzt mit Erfolg gekrönt: Die 45 Jahre alte Zenta brachte am Samstag ein Baby zur Welt, der Vater ist: Jambo!

Diese Geburt ist wichtig, denn Jambo sowie Zenta gehören der stark bedrohten Unterart der Zentralafrikanischen Schimpansen an. Diese ist sowohl in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Kongo, Gabun und Kamerun als auch in zoologischen Einrichtungen gefährdet. Aktuell leben nur 43 Individuen dieser Unterart in Zoos. Hellabrunn-Kurator Dr. Hanspeter Steinmetz spricht von einem „Meilenstein“: „Als wissenschaftlich geführter Zoo tragen wir Verantwortung für den Erhalt bedrohter Arten. Mit dem Nachwuchs leisten wir einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung der Reservepopulation dieser Unterart.“

Als wir Jambo vor einigen Wochen besuchten, folgte Zenta dem Männchen auf Schritt und Tritt – und wie nebenbei gab sie ihm ein zärtliches Küsschen. Das gute Verhältnis zwischen der mit 45 Jahren erfahrenen Schimpansen-Dame und dem elfjährigen Teenie aus Pilsen ist für die Pfleger der Schlüssel, Jambo in die Gruppe zu integrieren: Zenta soll Vermittlerin zu den drei Männchen Walther, Willy und Sepp sein.

„Das ist wie bei einer Patchwork-Familie“, sagt Hellabrunn-Sprecher Dennis Späth. So wie sich neue Familienmitglieder erst langsam aneinander gewöhnen müssen, nähern sich auch die Hellabrunner Schimpansen ganz vorsichtig einander an: Erst gibt es nur Sichtkontakt, dann auch Berührungen durchs Gitter. Aber ehe es zu einem neuen Versuch des direkten Zusammentreffens auch mit den Männchen im Gehege kommt, müssen Jambos Verletzungen abheilen. „Möglicherweise muss ein Finger amputiert werden“, so Tierpfleger Kuhn. Das sei besser, als wenn ein schmerzender Finger ihn beim Klettern behindere. „In der Natur beißen sich die Schimpansen einen verletzten Finger selbst ab.“ Jambo hat gelernt, seine Hand zum Röntgen und Behandeln durchs Gitter zu reichen. So sehen die Tierärzte, wie gut seine Verletzungen abheilen.

„Im natürlichen Habitat verlassen die Weibchen bei Geschlechtsreife die Gruppe, die Männchen bleiben – und lernen, in wechselnden Allianzen miteinander klarzukommen“, so Kuhn. Deswegen gibt es Überlegungen, die Gruppe neu zu mischen, einige der vier Weibchen möglicherweise an andere Zoos abzugeben. Und Jambo, so die Hoffnung, könnte neue Allianzen schmieden und doch noch von den Männchen akzeptiert werden. „Mit Willy klappt es schon ganz gut, der kann gut Konflikte lösen“, erzählt Kuhn. „Er ist zwar nicht so dominant und stark wie Walther – aber sozial schlauer.“

Tierpfleger Kuhn liebt seine Schimpansen – und er will bei seinem nächsten Urlaub erstmals die wilden Verwandten von Zenta, Willy, Jambo und Co. besuchen: „Ich fahre in den Kibale Nationalpark nach Uganda, wo dank einer großen Population gute Chancen bestehen, Schimpansen in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.“ KLAUS RIMPEL

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