Prost – oder doch Schmarrn?

von Redaktion

Nach Wiesn-Coup von Giesinger: Das sagen Wirte und Politiker

Hoch die Krüge: Die Stimmung beim Starkbieranstich der Giesinger Brauerei war griabig.

Peter Inselkammer bezeichnete den Plan spontan als „Schmarrn“.

Giesinger-Chef Steffen Marx will mit seinem Bier auf die Wiesn. © Schmidt, Hangen, Kneffel/dpa

Kommt die Bier-Revolution auf der Wiesn? Zumindest gab‘s am Donnerstagabend einen Paukenschlag – beim Starkbieranstich seiner Brauerei verkündete Giesinger-Chef Steffen Marx (48), dass er einen Bürgerentscheid anstrebt (wir berichteten). Er kämpft mit Unterschriften um die Schankerlaubnis ab 2027. Noch bis 15. März kann er im Werk 2 seiner Brauerei in der Detmoldstraße bis zu 1100 Gäste versorgen. Wie schmeckt den Wiesn-Wirten und Politikern der Giesinger-Plan?

Darauf angesprochen, rutscht Wiesn-Wirte-Sprecher Peter Inselkammer als Erstes das Wort „Schmarrn“ raus. Er könne sich nicht vorstellen, dass das Bürgerbegehren rechtlich zulässig sei. „So etwas zu initiieren, um die eigene wirtschaftliche Situation zu verbessern, finde ich beinahe vermessen.“

Würde er gefragt, würde er nicht unterzeichnen, erklärt er. „Weil wir gute Brauereien auf der Wiesn haben, ein gutes Miteinander.“ Manche Leute wünschen sich, die Vorschriften würden gelockert, damit Giesinger auf dem Oktoberfest ausgeschenkt werden könnte. Inselkammer: „In diese Regularien mische ich mich nicht ein.“

CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner, Grünen-Chef Sebastian Weisenburger und Lars Mentrup (SPD) waren von Marx‘ Spontan-Ankündigung am Donnerstag sichtlich überrascht. Aber alle unterzeichneten – auch Ex-Wiesn-Chef Baumgärtner, der eine siebte Brauerei auf der Wiesn früher eher kritisch sah. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sagte unserer Zeitung, er finde die Aktion zwar witzig und zum Starkbierfest passend. „Ich habe aber große Zweifel, ob das Begehren rechtlich zulässig ist.“

Marx‘ Ziel: rund 30 000 Stimmen. Sollte das klappen, müsste der Stadtrat einen Bürgerentscheid durchführen lassen. Sebastian Weisenburger: „Ein neues Münchner Bier auf der Wiesn – warum nicht? Solange es von einer Münchner Brauerei ist, die die Kriterien erfüllt, sind wir dafür offen. Giesinger hat in den vergangenen Jahren viel auf die Beine gestellt, darauf heben wir anerkennend unsere Krüge. Die Stimmung beim Starkbierfest war auf jeden Fall schon mal recht griabig.“ Ähnliche Worte von FDP-Chef Jörg Hoffmann: „Wir begrüßen das. Wenn eine Brauerei die Kriterien erfüllt, sollte sie auch auf der Wiesn ausschenken dürfen.“

Auch Kathrin Wickenhäuser-Egger und ihr Mann Alexander Egger (Münchner Stubn) feierten beim Anstich – als einzige Wiesn-Wirte. Sie könne sich vorstellen, von Giesinger beliefert zu werden, sagt sie. „Warum nicht? Steffen Marx ist ein guter Typ, der etwas bewegt.“ Noch habe sie nicht unterzeichnet. „Vielleicht mache ich das bei Gelegenheit.“ Das Wirtspaar schenkte 2025 zum ersten Mal Spaten aus. Sie fühlten sich bei Paulaner „nicht mehr so aufgehoben“, sagte Wickenhäuser-Egger dazu im September.

OB Dieter Reiter (SPD) erklärte am Freitag auf Anfrage: „Die Diskussion ist ja nicht neu und wird inhaltlich auch dadurch nicht verändert, dass Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt werden. Ob aus dem Bürgerbegehren dann ein zulässiger Bürgerentscheid wird, wird sich zeigen. Inhaltlich wird die Debatte im Stadtrat geführt werden müssen.“REGINA MITTERMEIER, SASCHA KAROWSKI

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