Tatort Sendlinger Tor. © Eibner-PresseFoto
Faustschläge gegen den Kopf, gezielt und mit voller Wucht: Für einen Münchner waren sie das Todesurteil. Der 45-Jährige wurde auf offener Straße angegriffen, mitten in der Altstadt, nach einem Kneipenbesuch. Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als Mord, die Polizei konnte den brutalen Schläger inzwischen festnehmen. Dabei handelt es sich um einen Fan des Fußballvereins Alemannia Aachen, der deutschlandweit Stadionverbot hat. Trotzdem war er Ende Januar an die Isar gekommen, als 1860 gegen Aachen spielte.
„Der Mann wurde am Stadion gesehen“, erklärt Armin Ritterswürden. Ob er es auch hineingeschafft hat, kann der Chef des Kommissariats 11 nicht sagen. Wichtiger ist: Den Abend vor dem Spiel verbrachte der 21-jährige Deutsche in einem Irish Pub am Sendlinger Tor. Genauso wie sein späteres Opfer. „Die beiden haben sich dort aber nicht kennengelernt“, betont der Leiter der Mordkommission. Sie haben das Lokal jedoch zur selben Zeit gegen 2.06 Uhr verlassen, beide in Begleitung eines Bekannten.
Der 45-jährige Münchner hatte Besuch von einem Freund (31) aus seiner Heimat Mazedonien. Auf dem Heimweg in der Sonnenstraße treffen sie auf den Aachener, der scheinbar ausgelassen den Arm um den Münchner legt. Sekunden später schlägt er zu. „Er hat seit seiner Kindheit Kampfsport betrieben“, sagt Ritterswürden. Kickboxen und Boxen.
Für die Staatsanwaltschaft ist das, wie Sprecherin Juliane Grotz unterstreicht, ein wichtiger Faktor. „Er kann wesentlich gezielter schlagen, als eine ungeübte Person.“ Und er wusste, was er anrichten kann. Deshalb werfen die Ermittler ihm Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Wie Grotz betont, gab es zuvor keinerlei Streit. Der Aachener ist zwar polizeibekannt, aber nicht vorbestraft. Stadionverbot bekam er wegen sexueller Belästigung. Der Münchner, der nach Hirnblutungen am 4. Februar im Krankenhaus starb, war zweifacher Familienvater, Handwerker und kein Löwenfan, wie Ritterswürden betont. „Für ihn ging es an diesem Abend nicht um Fußball.“ NADJA HOFFMANN