Warnt vor Betrügern: Juwelier Johann Sabti. © Bodmer
Echte Goldgräberstimmung! Die herrscht derzeit, wenn‘s um das glänzende Edelmetall geht. Ein Rekordhoch jagt das nächste. Allein ein Gramm Feingold war gestern 139 Euro wert. Klar, dass da jetzt auch immer mehr Gangster und Betrüger mit dem wertvollen Schatz einen Reibach machen wollen. Und die denken sich immer wildere Tricks aus, um ehrliche Bürger übers Ohr zu hauen: Jetzt sogar Falsch-Gold und Geister-Läden!
Der Münchner Juwelier Johann Sabti weiß genau, wie professionell die Golddiebe mittlerweile vorgehen. Erst vor wenigen Tagen kam ein Stammkunde mit einem Maple Leaf in seinen Laden. „Die Goldmünze sah perfekt aus, auch mein hochmodernes Testgerät gab an, dass es sich um eine Unze Feingold handelt.“ Wert: gut 4300 Euro. Beim Einschmelzen dann der Schock. Im Kern steckte das Schwermetall Wolfram. „Danach sah die Münze so aus“, und Sabti zeigt auf ein graues Münzrelikt (siehe Foto).
Der Kunde hatte die Münze im Internet erworben. „Ein Fehler!“ Denn die Fälscher hatten sich richtig ins Zeug gelegt. „Da war ein dicker Rand von gut 20 Prozent Gold um den Wolfram-Kern“, erklärt der Experte. Dadurch kann kein Gerät das Falsch-Gold erkennen (die Fälschung ist somit übrigens immerhin rund 1000 Euro wert– aber eben nicht 4300). Und das ist nicht alles: Auch der Münzdruck des Maple Leafs war perfekt. „Da hat sich jemand richtig Arbeit gemacht. Und das sicher nicht nur für ein oder zwei Münzen.“
Das perfekte Falsch-Gold – auch der Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels warnt: Fälschungen von Goldmünzen oder Goldbarren aus Wolfram seien eine bekannte Betrugsmasche. „Einfache Prüfungen von Gewicht und Durchmesser der Münze reichen leider nicht aus, um die Fälschung zu erkennen, da Gold und Wolfram nahezu die identische Dichte aufweisen. Im Detail: Gold 19,3 g/cm³, Wolfram 19,25 g/cm³“, erklärt der Geschäftsführer Stefan Lutter auf Anfrage unserer Zeitung.
Wie viel gefälschtes Gold im Umlauf ist? Jetzt, wo die Kurse immer wieder steigen? „Das ist schwer zu sagen“, erklärt Johann Sabti, dessen Familie schon seit knapp 25 Jahren einen Schmuckladen am Hauptbahnhof betreibt. „Ich kann jedem nur raten: Wenn er Gold kaufen oder auch verkaufen will, in ein seriöses Geschäft zu gehen. Am besten in eines, das es schon länger gibt. Zu einem bekannten Händler. Somit hat man bei späteren Problemen einen Ansprechpartner.“ Stichwort Rückgaberecht.
Das rät übrigens auch die Polizei. Wahrlich kein abwegiger Rat, wenn man einen aktuellen Fall aus Ansbach betrachtet: Dort hatten Gold-Gangster sogar extra einen Laden im Stadtkern eröffnet – und groß beworben. Als ein Bürger dort Edelmetall im Wert von über 100.000 Euro verkaufte, versprachen die Betrüger nach einer Mini-Anzahlung den Rest am nächsten Tag zu überweisen. Wenig später war der Laden verlassen, die Langfinger über alle Berge.
Kein Einzelfall: In Straubing hat die Polizei vor gut zwei Wochen drei Trickbetrüger festgenommen, die gefälschte Goldbarren über eine Online-Plattform vertickten. Und das seit Monaten! Teils war die „edle“ Ware professionell eingeschweißt und hatte sogar ein Zertifikat. Alles gefälscht.
Die Münchner Polizei warnt generell vor „Straßenkäufen“ von Gold. Und sie empfiehlt „Misstrauen“ bei Schnäppchen. „Echtes Gold hat seinen Preis“, erklärt auch Experte Johann Sabti. Der aktuelle Kurs sei ja im Internet problemlos abrufbar. „Und dann sollten Kunden immer mehrere Angebote einholen und unbedingt zu seriösen Händlern gehen. Egal, ob sie kaufen oder verkaufen wollen.“A. GEIER, T. GAUTIER