Anke Haubold musste stundenlang ausharren. © privat
Winterwetter am Airport München, eine Enteisungsanlage im Einsatz. © Peter Kneffel/dpa
Blick durchs Fenster des Flugzeugs: Auf dem Rollfeld herrschte Schneechaos, für die Passagiere in der Lufthansa-Maschine wurde unterdessen kein Bus bereitgestellt. © Anke Haubold
Anke Haubold freute sich auf ihre Fernreise: Am Donnerstag saß die Münchnerin in der Lufthansa-Maschine LH 768, die um 22.20 Uhr nach Singapur abheben sollte. Dort wollte sie eine Freundin besuchen. Doch statt nach Südostasien schaffte es das Flugzeug nur bis aufs Rollfeld – wo es bis kurz vor 5 Uhr früh samt Passagieren stand. Die rund 250 Menschen an Bord mussten in dem heftig verspäteten Flieger bis zum Morgen auf ihren Plätzen ausharren, weil der Flughafen um ein Uhr den Betrieb einstellte.
„Wir lagen gut in der Zeit, aber kurz nach 22 Uhr kam die Durchsage, wir müssten zum Enteisen“, berichtet Haubold (46). „Es ging chaotisch zu. Wir warteten und warteten, beobachteten das Schnee-Chaos auf dem Vorfeld, wo sich mehrere Flugzeuge in Warteposition drängten. Bis um Mitternacht die Nachricht kam, dass wir nicht mehr rausgelassen würden.“ Der Flug war gestrichen.
Doch statt dass nun Busse die Fluggäste zum Terminal zurückbrachten, geschah – nichts. Der Flughafen stellte um 1 Uhr den Betrieb ein. „Uns wurde mitgeteilt, dass Crew und Passagiere nicht abgeholt werden, weil kein Personal mehr da sei. Der erste Vorfeld-Bus würde gegen 4.30 Uhr den Dienst aufnehmen. So lange müssten wir warten.“ Sie ist empört: „Unfassbar! An Bord waren auch Familien mit Kindern und Babys.“
Die Lufthansa bestätigt den Vorfall auf Nachfrage. „Aufgrund der Wetterlage am 19. Februar mit starkem Schneefall kam es zu temporären Schließungen der Startbahn und massiven Verzögerungen bei der Enteisung“, erklärt ein Sprecher. „Aus Sicherheitsgründen konnten die Passagiere das Flugzeug erst verlassen, als Passagiertreppen und ein Bus zur Verfügung standen.“ Morgens am Terminal seien sie auf Ersatzflüge umgebucht worden. Und schließlich erklärt die Lufthansa: „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Passagiere sehr und stehen mit dem Flughafen München in Austausch, um die Abläufe dieser Nacht zu prüfen.“
Denn zuständig für den Vorfeldbetrieb mit Treppen und Bussen ist der Flughafen. Dieser erklärt, dass es nicht nur wegen des Schnees zu Staus kam: „Am Abend erhielten einige Flugzeuge Sondergenehmigungen durch die Regierung von Oberbayern, um noch bis 1 Uhr starten zu dürfen. (…) Im Zuge dessen (kam es) zu längeren Wartezeiten, als Passagiere, deren Maschine (…) nicht mehr starten konnte, zum Terminal zurückgebracht werden mussten. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle Parkplätze für Flugzeuge am Terminal belegt und die Buskapazitäten auf den Vorfeldern eingeschränkt. Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten sehr.“
Immerhin gab es im Flugzeug von Anke Haubold genug Essen und Trinken. „Die Crew verpflegte uns bestens.“ Geschockt ist sie trotzdem. „Ich kann so schnell kein Flugzeug mehr besteigen.“ISABEL WINKLBAUER