Der Frühling ist eine Zeit des großen Wandels und der Erneuerung. Er ist auch eine Zeit, in der viele von uns emotionales Chaos und Umbrüche erleben – aber er kann auch eine Zeit der Aufregung und Freude sein. So wird es im Internet beschrieben. Der Frühling wäre eine besonders emotionale Jahreszeit, weil er das Ende des Winters und der damit verbundenen Gefühle wie Traurigkeit oder Verlust markiert. Also ich habe in den letzten Tagen niemanden gehört, der eine tiefe Trauer empfindet oder über Verlust klagt, wenn sich der Winter bis Weihnachten wieder zurückziehen würde. Manchmal legt er sich aber auch nur auf die Lauer, um uns an Ostern erneut mit seiner ganzen Pracht zu überraschen und Frühblüher unter sich zu begraben.
Meine Nase ist auch ein Frühblüher! Sobald die Temperaturen nach oben wandern und sei es noch so minimal, dann meldet sich laufend mein Näschen. Meine Augen halten mit einem Gefühl von Sandkörnern auf der Linse mit und mein Hals kratzt vor sich hin. Täglich erkläre ich beim Zusammentreffen mit anderen Menschen, dass ich nicht erkältet und schon gar nicht ansteckend bin, sondern mich Erle, Hasel und andere Gewächse plagen. Wer von denen der Übeltäter ist, weiß ich nicht genau, weil ich mich nicht testen lasse. Ich kenne mich. Wäre es zum Beispiel die Hasel, dann würde schon eine Sichtung aus der Ferne reichen, dass mein Hirn Signale an meine Sinnesorgane sendet: „Achtung Hasel gesichtet, bereit machen zum Tränen und Niesen!“ Jetzt hatten Sie einen kurzen Einblick in meine Frühlingsgefühle.
Wie steht es mit den Ihren?
Frühlingsgefühle bezeichnen angeblich eine Reihe von Stimmungs-, körperlichen oder Verhaltensänderungen, die mit dem Beginn des Frühlings einhergehen können, insbesondere Unruhe, Faulheit und Verliebtheit. Am Sonntag ist meteorologischer Frühlingsanfang. Da werden bei mir sicherlich diese Gefühle zusammenkommen. Erst bin ich faul, weil ich mir das sonntags einfach immer gönne. Dann bin ich ein bisschen unruhig, weil ich vielleicht für ein paar Tage wegfahre – ich gehe in Schreibklausur für meine Fastenreden.
Wenn ich dem Wetterbericht Glauben schenken darf, dann können wir schon heute unseren Frühlingsgefühlen freien Lauf lassen: Weg mit den tristen Winterjacken – raus mit der bunten Kleidung! Frisuren nicht mehr unter Mützen verstecken – offene Haare im Wind wehen lassen. Handys weglegen – mit Kindern draußen spielen. Cabrios anmelden, volltanken und ausfahren, auch wenn die Füße noch in Pelzstiefel stecken und die Sitzheizung fast Brandblasen am Allerwertesten verursacht, weil der Fahrtwind noch gar nicht frühlingshaft daherweht.
Und in meinem Kopf höre ich mein leises Frühlingslied mit abgewandeltem Text: „Es is´ wieder Frühling, Frühling in der Stadt…“