Haupttäter Djordje N. (58) war IT-Chef bei Dallmayr – und bereut die Millionen-Abzocke. © SIGI JANTZ
Das Delikatessenhaus Dallmayr im Herzen der Altstadt: Der ehemalige Leiter der Sicherungssysteme hatte sich jahrelang auf Kosten des Unternehmens unbemerkt bereichert. © Michaela Hartmann
Seine Stimme bricht, immer wieder wischt sich Djordje N. (58) über das Gesicht. Schon seit mehr als zwei Stunden läuft die Verhandlung gegen den IT-Experten, der jahrelang für den Feinkost-Riesen Dallmayr gearbeitet hatte. Dann wird er plötzlich emotional: „Ich möchte mich aus tiefstem Herzen entschuldigen und nehme die volle Schuld auf mich.“
Seit 2012 hatte der frühere Leiter der Sicherungssysteme fingierte Rechnungen erstellt, um das Unternehmen abzuzocken: rund 2,3 Millionen Euro betrug vier Jahre später dann der Schaden – so lange blieben die Verbrechen unbemerkt. Bis ein anonymer Hinweis Djordje N. überführte. „Ich war in Geldnot und suchte nach Möglichkeiten, mich zu bereichern“, schildert er. Zwei früheren Geschäftspartnern, die jetzt mitangeklagt sind, bot er das illegale Rechnungsgeschäft gezielt an: „Sie reagierten positiv“, sagt Djordje N. – auch die Komplizen gestehen die Taten. Insgesamt 80 Schein-Rechnungen hatte N. an die „externen Dienstleister“ ausgestellt. Teilweise mehrfach im Monat – doch von Dallmayr unbemerkt.
„Als Abteilungsleiter durfte ich die Rechnungen selbst freigeben“, schildert Djordje N. vor Gericht. „Besonders geschickt haben Sie sich aber nicht angestellt. Schon die Verwendungszwecke konnten nicht stimmen“, sagt Richter Markus Födisch. Djordje N. zuckt mit den Schultern: „Mich hat einfach niemand kontrolliert.“ Der Richter schüttelt den Kopf: „Man hat es Ihnen ziemlich leicht gemacht.“
Um rund 900.000 Euro bereicherte sich der frühere IT-Boss von Dallmayr laut Anklage mit dieser Masche. Bei seinem Komplizen Bernd S. (57) waren es 1,3 Millionen Euro, er sagt: „Ich habe die Kohle verprasst und war blauäugig.“ Uwe N. (65) muss 150.000 Euro zurückzahlen – er möchte sich „aufrichtig entschuldigen“.
Kurios: Das Geld wurde „freundschaftlich geteilt“ und auch versteuert, beteuern die Männer, die sich wegen Untreue verantworten müssen. „Es war eine Dummheit. So etwas darf man nicht machen“, sagt Djordje N. rückblickend. „Es gab keinen Tag, an dem ich nicht daran denken musste. Und keine Nacht, in der keine Tränen geflossen sind.“
Bereits im Juli 2018 hatte die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Doch der Prozess konnte erst jetzt starten, weil „die Kammer mit anderen vorrangigen Haftsachen, insbesondere dem Wirecard-Verfahren, ausgelastet war und ist und während der Corona-Jahre aufgrund der geltenden Beschränkungen nur Haftsachen verhandelt werden konnten“, sagt eine Gerichtssprecherin. In U-Haft seien die Angeklagten nie gewesen. Verjährt sind ihre Taten noch nicht – und die Verzögerung aus Sicht des Gerichts daher „unproblematisch“. Das Urteil soll am 24. März fallen. Dem Trio droht Knast.ANDREAS THIEME