Jetzt kommen echte Frühlingsgefühle und Lust auf kühle Getränke und Speisen auf: Laut Deutschem Wetterdienst setzt sich heute nach dem Hochnebel die Sonne durch, in Oberbayern scheint sie sogar von früh bis spät. Gleichzeitig klettert das Thermometer auf gut 13 Grad, am Donnerstag und Freitag wird es dann mit 17 bzw. 20 Grad sogar noch wärmer.
Bei diesen Temperaturen dürfte sich der Biergarten am Chinesischen Turm füllen. Auch Münchens Eisdielen bereiten sich auf den Frühling vor. Seit dem 20. Februar hat das Sarcletti am Rotkreuzplatz wieder geöffnet. Dort wird schon seit 1879 Eis verkauft. „Erdbeer geht eigentlich immer“, sagt Filialleiter Benjamin Lun. Die Erdbeere gilt seit jeher als Liebesfrucht und wird mit der Venus in Verbindung gebracht, der Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit. „Aber auch alle anderen fruchtigen Sorten sind im Frühjahr beliebt.“
Im Laufe des Sommers werden im Sarcletti bis zu 100 Sorten angeboten. Zwei Euro kostet die Kugel dieses Jahr, im Vergleich zum letzten Jahr gibt es keine Preissteigerung. Eine Kundin nimmt gerade eine Kugel Birnen-Crumble, Stammkunde Otto wählt Schokolade: „Ich bin schon als kleiner Bub hierhergekommen. Immer wenn es Zeugnisse gab, haben wir zwei Kugeln Eis bekommen.“ Seine Frau hat Otto aber nicht in der Eisdiele kennengelernt. „Das war in der U-Bahn. Sie ist das Beste, was ich hab’“, strahlt er.
Manche Leute haben auch im Untergrund romantische Empfindungen. Doch viele packen hauptsächlich bei den ersten Sonnenstrahlen Frühlingsgefühle. Die Medizin geht davon aus, dass diese Hochstimmung durch mehr Tageslicht, Sonne und höhere Temperaturen entsteht. Der Körper stellt sich vom Winter- auf den Frühjahrsmodus um. Hormone wie Serotonin und Dopamin steigen, während das Schlafhormon Melatonin sinkt, was zu Energie, Aktivität und erhöhter Lust auf Flirts führt. Es ist ein Mix aus biologischen Hormonänderungen und psychologischer Aufbruchstimmung.
Prof. Eberhard Volger ist wissenschaftlicher Leiter des Kneippärztebundes und ist für das Kompetenzzentrum für Waldmedizin und Naturtherapie tätig. Er geht davon aus, dass neben Licht und Wärme eine ganze Reihe von Faktoren für Frühlingsgefühle verantwortlich sind: „Im Frühjahr werden alle Sinne aktiviert.“ Was die Hormonproduktion anginge – die viele mit Frühlingsgefühlen verknüpfen – seien auch optische Reize und Gerüche wichtig. Verlässliche Auswirkungen des Frühlings etwa auf den Testosteronspiegel seien nicht unbedingt nachweisbar. „Wir sind ja sehr komplexe und komplizierte Wesen. Auch die Psyche hat Einfluss auf unsere Hormone und unser Nervensystem. Und wenn wir jetzt sehen, dass es im Frühjahr immer länger hell ist, dann spielt die Zirbeldrüse hier eine wichtige Rolle.“
Die Zirbeldrüse reagiert auf Licht. Gibt es wenig davon, wird etwa das Schlafhormon Melatonin produziert. Davon hat man am Ende des Winters auch noch eine Menge im Blut, deshalb kommt es zur Frühjahrsmüdigkeit. Volger empfiehlt, der Müdigkeit nicht nachzugeben: „Dagegen hilft nur noch mehr rauszugehen.“
Ein Spaziergang im Botanischen Garten oder im Nymphenburger Schlosspark lohnt sich also auf jeden Fall.GABRIELE WINTER