Die Weideninsel: Über Kiesbänke können Fußgänger auf das Biotop gelangen – zum Ärger der Lokallpolitiker aus dem Bezirksausschuss. © Markus Götzfried
Seit der Renaturierung der innerstädtischen Isar und ihrer Uferzonen ist die Weideninsel ein kleines Biotop – mitten in der Stadt. Weitgehend nisten im Frühjahr Vögel auf der Insel, die nicht betreten werden darf. Doch seit dem vergangenen Sommer haben sich neue Kiesbänke in der Isar gebildet, sodass die Insel einfach zu Fuß zu erreichen ist.
Die Lokalpolitiker, die sich immer wieder für dieses kleine Naturschutzparadies einsetzen, hatten deshalb einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt: Sie wollten, dass der Isar-Arm zwischen Weideninsel und Hochwasserbett ausgebaggert wird, damit die Insel wieder eine Insel und damit vor Besuchern geschützt ist. Doch die Antwort des Baureferats war enttäuschend: Man sehe das Ausbaggern 2026 nicht vor und verweise auf natürliche Prozesse, die den ursprünglichen Inselzustand wiederherstellen.
Arne Brach (Grüne) sieht das völlig anders: „Die Weideninsel ist ein kleines Wahrzeichen der innerstädtischen Isar. Sie war bislang schwer zugänglich. Schilder haben auf den Schutz der Insel im Sinne der Tierwelt hingewiesen. Der dauerhafte Zugang über eine Kiesbank führt den Naturschutzgedanken ad absurdum.“ Es sei ein Hochwasser gewesen, das die Verlandung bedingte. Jetzt auf ein Hochwasser zu warten, das den Prozess wieder umdreht, sei inakzeptabel und völlig hypothetisch.
Mit einem Dringlichkeitsantrag hat der Bezirksausschuss (BA) Ludwigs- und Isarvorstadt deshalb nun erneut das baldige Ausbaggern gefordert. Eile sei geboten, weil bald die Brutzeit beginnt. Dann wären Bauarbeiten nicht mehr möglich. Zudem seien jetzt noch wenige Menschen an der Isar und der Wasserstand wintertypisch niedrig.
Neben dem Naturschutz sieht Martin Scheuring (Grüne), noch einen weiteren Punkt, der für das Ausbaggern und die Wiederherstellung des ursprünglichen Inselzustands spricht: „Der kleine Isar-Arm um die Weideninsel war seit der Renaturierung vor allem an heißen Sommertagen eine der beliebtesten Badestellen im Stadtbezirk, die Badenden gingen mit der Insel als Rückzugsort überwiegend sehr achtsam um.“ Die Verlandung belaste nun nicht nur die Natur auf der Insel das ganze Jahr hindurch, sie schränke auch den Erholungswert für die Menschen in der Innenstadt stark ein. „Deswegen muss die Weidenhalbinsel wieder eine Weideninsel werden.“BETTINA ULRICHS