Die Show geht vorerst weiter: München Ticket verkauft Tickets für Konzerte von Stars wie Bruce Springsteen. © imago
Die Show geht weiter für den angeschlagenen Ticketverkäufer München Ticket. Die städtische Firma mit 91 Angestellten hat Millionenschulden und verdient kein Geld mehr – wird aber durch eine Millionenspritze noch etwas länger am Leben gehalten. Das entschied der Wirtschaftsausschuss gestern.
München Ticket gibt es seit 1993. Es verkauft Karten für Konzerte, Comedy oder Theater. Dazu betreibt es Vorverkaufsstellen und organisiert IT für Kassensysteme und Einlasskontrollen. Doch das Geschäft läuft seit Jahren miserabel. In der Corona-Zeit machte die Firma ordentlich Miese – und erholte sich seitdem nicht mehr. 2025 machte das Unternehmen laut Wirtschaftsreferat 671.000 Euro Minus. Dieses Jahr sollen es 766.000 Euro sein. Und das wird sich laut Verwaltung nicht bessern: Es sei „in den kommenden Jahren mit einem stetigen Defizit von ca. einer Million Euro zu rechnen“, steht in der nicht öffentlichen Vorlage. Laut Wirtschaftsreferat braucht München Ticket deshalb eine Million Euro als Liquiditätsreserve „zur Aufrechterhaltung ihres Betriebs“. Eine Insolvenz soll vermieden werden – schon allein, um die Jobs zu retten.
Auf längere Sicht bleibt ein Verkauf ein „strategisches Ziel“. Stadt und Unternehmen gehen eben davon aus, dass es nur dann wirtschaftlich weitergehen kann, wenn München Ticket „seine Leistungen im Rahmen eines größeren Unternehmensverbunds erbringen kann“, wie es in der Vorlage heißt. Bei einem Verkauf rechnet die Stadt auch nicht mit betriebsbedingten Kündigungen. Angenehmer Nebeneffekt: München Ticket bliebe „auf dem Münchner Markt erhalten“ – dazu müsste die Stadt nicht noch jahrelang Geld in den defizitären Betrieb stecken und es würde ein „marktgerechter Erlös“ erzielt.
Stellt sich nur noch die Frage, ob überhaupt jemand München Ticket kaufen will. Der Stadtrat muss den Rettungsplan noch in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl absegnen.THOMAS GAUTIER