Seit Kurzem gebührenpflichtig: der Parkplatz am Cosima-Wellenbad. © Marcus Schlaf
Die Kamera am Parkplatz der Helios-Klinik.
Svetlana Ignatovitsch nutzt das Klinik-Parkhaus.
Unerklärlicher Parkverstoß: Jürgen Brügl und seine Frau Sira Neuhaus mit der Zahlungsaufforderung. © Marcus Schlaf (2)/Michaela Stache (2)
Jürgen Brügl ist sauer. Am Sonntag vor zwei Wochen wollten er und seine Frau eine Übungsfahrt mit dem neuen Wagen machen und fuhren deshalb auf den Parkplatz des V-Markts an der Maria-Probst-Straße. „Ich habe zwar meinen Führerschein schon seit 47 Jahren, aber die neuen Fahrerassistenzsysteme probiere ich lieber nicht auf öffentlichen Straßen aus.“ Was er nicht wusste, am Sonntag darf man den V-Markt-Parkplatz weder zum Parken noch sonst irgendwie kostenlos benutzen. Allerdings ist die Beschilderung diesbezüglich interpretierbar.
Auf den Schildern steht, man könne vier Stunden dort parken, wenn der V-Markt aufhat. Das Schild spricht von einem Halteverbot an Sonn- und Feiertagen – aber gehalten hat Brügl streng genommen ja nicht. „Die Firma Parkdepot bezichtigt mich nun eines Parkverstoßes von 44 Minuten und fordert 40 Euro.“ Wir fragen bei Parkdepot nach und erfahren: „Ein Parken im Sinne der AGB beginnt mit der Einfahrt auf das Privatgrundstück.“
Immer mehr Parkplätze in München werden derzeit auf schrankenloses System mit Kennzeichen-Erkennung umgestellt. Schilder weisen darauf hin, allerdings wird man schnell zum Falschparker, wenn man das Kleingedruckte nicht gelesen hat.
Zur Falle wird das auch schnell, wenn das Parken auf so einem Platz – wie beispielsweise am Cosimabad – früher kostenlos war. Der Bezirksausschuss in Bogenhausen will gegen das neue Bezahlsystem am Wellenbad vorgehen. Denn für die Badegäste sind die Gebühren eine indirekte Erhöhung der Schwimmbad-Preise. Anders ist es beispielweise an der Helios-Klinik in Pasing. Dort war das Parken schon lange kostenpflichtig und das Parkhaus war früher mit einer Schranke ausgestattet. Seit September gibt es die automatische Kennzeichen-Erkennung über eine Kamera.
Die Helios-Angestellte Svetlana Ignatovitsch ist begeistert: „Ich zahle monatlich und finde das sehr praktisch. Für die Besucher gibt es den Automaten. Seitdem haben wir hier an der Ausfahrt keine Staus mehr. Früher blockierten Autofahrer, die vergessen hatten zu bezahlen, oft die Ausfahrt.“ Die fahren jetzt vermutlich einfach raus und bekommen später einen Strafzettel vom Kraftfahrtbundesamt. Es sei denn, sie denken noch bis zu 24 Stunden nach der Ausfahrt dran und bezahlen online.
Weniger Stau gibt´s auch beim TSV 1860 München. Der Verein hat auf dem Parkplatz seines Trainingsgeländes ebenfalls eine Kennzeichenerkennung eingeführt. Gerade wenn an Samstagnachmittagen mehrere Jugendmannschaften gleichzeitig auf dem Trainingsgelände der Löwen antraten, wurde es eng. Eltern, Trainer und Betreuer – alle benötigen Parkplätze. Doch die waren früher oft von nicht berechtigten Dauerparkern belegt. „Inzwischen sind die Autonummern aller parkberechtigten Autofahrer hinterlegt. Alle anderen müssen zahlen“, teil die Pressestelle der Betreiberfirma Avantpark mit.
Die städtischen Parkplätze werden in München von der Münchner Verkehrsgesellschaft und dem Mobilitätsreferat gemanagt. Beide schreiben, die Bürger würden die Digitalisierung beim Parken gut annehmen. „Zwei Drittel parken und zahlen bereits digital“ und an den meisten Stellen Münchens kann der Parkschein per App gelöst und bei Bedarf verlängert werden.GABRIELE WINTER