Diese beiden kämpfen gegen die Baumfällung: Elfi B. und Robert A. © Oliver Bodmer
Als die Sägen erneut aufheulen, weiß sich Elfi B. nicht mehr anders zu helfen. Die 56-Jährige stellt sich kurzerhand vor den Baum an der Nymphenburger Straße. Sie will verhindern, dass er gefällt wird. Denn sie sagt: „Diese Kastanie ist über 100 Jahre alt – und die Fällung ist nicht genehmigt!“ Der Kampf um die Kastanie! Er führte gestern zu einem Drama vor Ort.
Elfi B. ist selbst seit 14 Jahren Bewohnerin des Hauses auf dem Grundstück. „Das kann doch nicht sein. Der Baum stand hier ewig – und jetzt kommt er innerhalb eines Tages weg. Das kann ich nicht hinnehmen!“ Aber ihr waren gestern Mittag die Hände gebunden, schließlich gab sie auf. Sie und weitere Nachbarn mussten tatenlos zusehen, wie der Baum seitlich Stück für Stück schmaler wurde. Sie mutmaßt: „Wir haben von einem Bauvorhaben gehört. Ich denke, dafür muss der Baum weg – und vielleicht nimmt man da lieber eine Strafe in Kauf.“
Das zuständige Planungsreferat bestätigt tatsächlich: „Es liegt noch keine Fällgenehmigung vor.“ Im Hintergrund werde aber geprüft, ob eine Fällung genehmigt werde. Laut Sprecherin sei hier der Brandschutz die entscheidende Frage. Es könne möglich sein, dass der Baum die Rettungswege versperrt. Gleichzeitig prüfe das Planungsreferat aber auch eine Bebaubarkeit.
Übrigens: Laut Bundesnaturschutzgesetz ist das Fällen von Bäumen und Sträuchern zwischen dem 1. März und dem 30. September in der Regel unzulässig – also in ein paar Tagen. Der Grund: Vögel sollen ausreichend Nist- und Brutstätten haben. Am frühen Nachmittag geht der Krimi an der Nymphenburger Straße weiter: Laut Planungsreferat ist zu dieser Zeit ein Baumschutz-Mitarbeiter der Stadt vor Ort, will die Arbeiten stoppen. Erst als die Polizei hinzugekommen sei, so die Behörde, sei die Fällung gestoppt worden.
Ein Sieg der Baumschützer von der Nymphenburger Straße? Das ist fraglich. Die zuständige Hausverwaltung hat gestern bis Redaktionsschluss auf eine Anfrage nicht reagiert. Das Planungsreferat prüft den Fall weiter – und auch, ob gegebenenfalls ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird.NINA BAUTZ