INTERVIEW

Der grünste Job der Welt

von Redaktion

Martin Baumgärtner ist neuer Chef des Englischen Gartens

Alles im Blick: Der neue Chef des Englischen Gartens, Martin Baumgärtner, auf dem Monopteroshügel. © marcus schlaf

Martin Baumgärtner, Cordhose, Wanderjacke, steht am Monopteros und genießt die Aussicht. Hier kann er seinen Arbeitsplatz gut überblicken. Von 1. März an ist der 44-Jährige neuer Vorstand der Verwaltung des Englischen Gartens. Im Gespräch verrät er, was er alles anpacken will.

Sie sind gebürtiger Münchner: Haben Sie eine besondere Beziehung zum Englischen Garten?

Ich bin an den Maximiliansanlagen aufgewachsen. Der Englische Garten war mein Kinderzimmer. Auf den Hügeln konnten wir im Winter rodeln und Ski fahren. Und im Sommer war der Park Ausgangspunkt für Abenteuer.

Dann sind Sie München immer treu geblieben?

Nein. Ich habe in Berlin studiert. Dann verschlug es mich über Berufspraktika kurzzeitig nach Indien und Mexiko. Aus privaten Gründen bin ich wieder nach München gekommen, wo ich mich mit einer Gartenbaufirma selbstständig machte. Meinen Einstieg bei der Bayerischen Schlösserverwaltung hatte ich 2021 und im Jahr 2024 wurde ich Technischer Leiter im Englischen Garten.

Auf welche Aufgabe stürzen Sie sich als Erstes als neuer Parkchef?

Zu den wichtigsten Aufgaben zählt die Baumpflege. Insbesondere das Eschentriebsterben macht uns zu schaffen, eine Pilzerkrankung, die die Standfestigkeit der Bäume gefährlich beeinträchtigen kann.

Sie lösen Thomas Köster nach 31 Jahren im Amt ab. Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?

Thomas Köster hat seinen Job sehr gut gemacht. Daher setze ich zunächst auf Kontinuität. Allzu viel umkrempeln kann ich sowieso nicht. Der Englische Garten steht unter Denkmalschutz. Deshalb halten wir uns in der Gestaltung an die über 200 Jahre alten Pläne von Friedrich Ludwig von Sckell.

Was steht konkret an?

Ein Herzenswunsch von mir sind mehr extensiv gepflegte Blühwiesen. Diese bieten im Sommer einen wunderschönen Anblick und darüber hinaus finden selten gewordene Insekten und Vögel dort das ganze Jahr über Rückzugsgebiete. Weiterhin ist der Zustand der Bänke und Wege ein Dauerthema, da muss kontinuierlich viel Arbeit investiert werden.

Jahrelang gehörten die Surfer ins Bild. Jetzt hat die Stadt das Surfen an der Eisbachwelle am Haus der Kunst verboten. Fehlt hier was?

Natürlich prägten die Surfer über viele Jahre das Stadtbild. Wie es an der Eisbachwelle weitergeht, liegt aber natürlich in der Entscheidung der Stadt als Eigentümerin.

Dafür ist das Kiffen nun im Englischen Garten offiziell erlaubt: Machen Kiffer seitdem in den Grünanlagen Probleme?

Größere Probleme gab es meines Wissens nach bislang nicht.

Anderes Problem: Jährlich streifen mehr als fünf Millionen Besucher durch den Park und hinterlassen Müll.

Wir entsorgen jedes Jahr rund 230 Tonnen Müll aus dem Englischen Garten. Insbesondere im Hochsommer wird gefeiert und manchmal sieht es am Morgen auch etwas wild aus. Es liegen Glasflaschen, Kronkorken, Kippen, Pizzakartons und Dosen herum. Sogar E-Roller, die hier im Park verboten sind, lagen schon in unseren Gewässern. Unsere Mitarbeiter entsorgen den Unrat zeitnah, um allen Parkbesuchern ein ungetrübtes Naturerlebnis zu ermöglichen. Im Sommer ist hierfür zusätzlich die Unterstützung durch eine externe Firma nötig.

Kürzlich ist ein umstrittenes Thema wieder aufgeploppt: Ein Tunnel am Mittleren Ring, der den Englischen Garten vereinen soll.

Das wäre sicher eine Chance, vor allem für das Ensemble am Kleinhesseloher See. Aber Realisierung und Finanzierung stehen auf einem anderen Blatt.

Würden Sie uns zum Schluss noch Ihren Lieblingsplatz im Englischen Garten verraten?

Mein Lieblingsplatz liegt zwar nicht direkt im Englischen Garten, aber in den Maximiliansanlagen, die ebenfalls in meinem Zuständigkeitsbereich liegen: der Achtersee am Friedensengel mit seiner Quelle und den Mandarinenten. Dort ist es schön und ruhig.

INTERVIEW: MARLENE KADACH

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