MÜNCHNER FREIHEIT

Eine Woche voller Taschenbierigkeit

von Redaktion

Es begann wie beim Sams: Am Sonntag schien die Sonne. Und am Dienstag hatte ich Dienst. Freilich, in der Erzählung von Paul Maar wird die Hauptfigur, Herr Taschenbier, am Montag dazwischen von Herrn Mon besucht. Da wankte meine Taschenbierigkeit ein wenig, ich kenne einfach keinen Herrn Mon. Allerdings gab es bei mir am Montag Mohnkuchen und ein „Mon Chéri“. Wenn Beck’s Green Lemon als Bier gilt, dann gelte ich auch als Herr Taschenbier.

Am Mittwoch jedenfalls ereignete sich etwas Sonderbares: Am Morgen hatte ich einen langen Artikel über verlorene Geldbeutel und ehrliche Finder gelesen. Am Abend ging ich die Isartalstraße entlang – und entdeckte einen Geldbeutel auf dem Bürgersteig. Darin: ein Ausweis, mehrere Karten und etwas Bargeld. Brillant vorbereitet durch meine Tageszeitung wusste ich genau, was zu tun ist: Ich brachte den Geldbeutel zur nächsten Polizeiinspektion. Ein Polizist nahm ihn lächelnd entgegen und versprach, die Besitzerin zu kontaktieren. Er fragte, ob er meine Kontaktdaten notieren solle wegen eines Finderlohns. Ich lehnte ab.Ich hatte nämlich schon was ganz anderes bekommen: ein Kolumnenthema! Aber viel wichtiger war dieses gute Gefühl, das sich in meiner Brust breitmachte.

Das ist nämlich wirklich interessant: Ich habe in der vergangenen Woche ein paar Filmszenen geschrieben, die ich für gelungen halte. Ich habe an Geburtstage gedacht und Jugendfreunde getroffen. Ich habe sogar einen Baum gepflanzt (na ja, in Wahrheit habe ich einen Sämling umgepflanzt, der an seinem bisherigen Standort keine große Zukunft gehabt hätte). Aber nichts hat mich in dieser Woche so beseelt wie der Moment, da ich das Polizeirevier verließ, in der Gewissheit, dass sich eine Unbekannte bald über meine gute Tat freuen wird. Dieses Gefühl wollte ich durchaus öfter erleben. Nur: Wie bringe ich möglichst viele Menschen dazu, ihren Geldbeutel zu verlieren?

Eine weitere Frage stellt sich: Geht das jetzt so weiter wie beim Sams? Bleibt mir meine neu entdeckte Taschenbierigkeit? Am Donnerstag radelte ich immerhin über die Donnersbergerbrücke. Und am Freitag hatte ich frei, also zumindest ab 18 Uhr. Und das heißt schon was für einen Freiberufler. Ich lese jedenfalls seit Mittwoch sehr aufmerksam meine Tageszeitung und warte auf neue Sonderbarkeiten. Am 30. Januar 2027, so stand da, wird der neue Bundespräsident gewählt. Hat das etwa auch mit mir zu tun?

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