SERIE

Die Schätze des Freistaats

von Redaktion

Wem gehört München? – Heute: Bayerns Grundbesitz in der Stadt

Prachtvoll: Schloss Nymphenburg und der dazugehörige Park sind ebenfalls im Besitz des Freistaats. © Jens Hartmann, Marcus Schlaf, Oliver Bodmer

Der Friedensengel thront über der Stadt. Heimatminister Albert Füracker (CSU) an der Feldherrnhalle, die renoviert wird.

Alte Akademie, Oberpollinger, das Hirmer-Haus: Auf dem Immobilienmarkt in der Münchner City hat sich zuletzt viel verändert – einige Filetstücke wechselten den Besitzer. Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich schon mal gefragt, wem besondere Gebäude in unserer Stadt gehören? Dieser Frage gehen wir in unserer Serie nach. Dazu stellen wir die größten Immo-Akteure in der Stadt vor. Heute: die Schätze des Freistaats – vom Schloss Nymphenburg bis zum Cuvilliés-Theater. Eine Serie von Regina Mittermeier und Julian Limmer.

Der goldene Friedensengel, der über München zu wachen scheint. Die Bavaria, die als Schutzpatronin Bayerns zusätzlich aufpasst. Das sind nur zwei von zahlreichen Beispielen, die im Eigentum des Freistaats Bayern in unserer Isarmetropole sind. Und beide Denkmäler zeigen auch deutlich: Staatseigentum sind oft nicht bloß irgendwelche Gebäude oder Grundstücke – sondern wahre Schätze!

In München zählen dazu einerseits verschiedene Schlösser, Burgen und Residenzen, andererseits auch Schlossparks, Hof- und Landschaftsgärten. Die Residenz mit ihrer Schatzkammer lockt jedes Jahr viele Touristen in die Stadt. Die Wittelsbacher bauten als Herzöge, Kurfürsten und schließlich Könige von Bayern ihre Residenz ab 1385 von einer kleinen Wasserburg zu einem weitläufigen Komplex aus. Über vier Jahrhunderte war sie Wohn- und Regierungssitz der Dynastie. Staatseigentum sind außerdem der angrenzende Hofgarten plus Dichtergarten und die Feldherrnhalle.

Auskunft darüber gibt die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung. Diese geht in ihren Ursprüngen auf den Obersthofmeisterstab zurück, einen der vier Stäbe der Kurfürstlichen Hofverwaltung. Dieser war schon Ende des 18. Jahrhunderts für die Betreuung der Residenzen und Schlösser in Bayern zuständig. Seit 1804 war der Obersthofmeisterstab unmittelbar dem Finanzministerium nachgeordnet.

Unter Graf Montgelas wurden die Schlösser und Residenzen in der Konstitution von 1808 zum unveräußerlichen Staatsgut erklärt und in die sogenannte „Zivilliste“ aufgenommen. Seit 1908 befanden sich die großen bayerischen Seen und Fischwässer sowie die Hofgärten ebenfalls in der Zuständigkeit dieser Verwaltung. Und nach dem Ende der Monarchie in Bayern am 8. November 1918 wurde die ehemalige Zivilliste zum Staatseigentum erklärt. Heute ist die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen sowie weiteren Baudenkmälern einer der größten staatlichen Museumsträger hierzulande.

Auch das Cuvilliés-Theater – also das Alte Residenztheater – im Rokoko-Stil gehört dem Freistaat, genauso wie die Bavaria samt Ruhmeshalle an der Theresienhöhe. Das ehemalige Jagdschloss Blutenburg liegt im Westen Münchens, im Stadtteil Obermenzing, und wird ebenfalls von der Schlösserverwaltung betreut. Demnach ließ Herzog Albrecht III. in den 30er-Jahren des 15. Jahrhunderts die etwa zehn Kilometer von seiner Residenz entfernte „Pluedenburg“ an der Würm zu einem Landsitz ausgestalten. 1467 verzichtete sein Nachfolger, Herzog Sigismund, zugunsten seines Bruders Albrecht IV. auf die Regierung und zog sich in die Blutenburg zurück. Diese erhielt ab 1488 eine Kapelle mit kostbarer spätgotischer Ausstattung. Die Wasserburg des 15. Jahrhunderts prägt noch heute die Struktur der Anlage mit einer türmebewehrten Hauptburg um ein Turmhaus, in dem Herzog Albrecht III. mit Agnes Bernauer lebte.

Jünger ist die Geschichte des Schlosses Nymphenburg. Anlässlich der Geburt des Thronfolgers Max Emanuel beauftragten Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern und seine Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen 1664 den Architekten Agostino Barelli mit dem Bau. Kurfürst Max Emanuel ließ die Anlage seit 1701 durch Henrico Zuccalli mit seitlichen Galerien und Wohnpavillons erweitern. Und ab 1715 gestaltete Joseph Effner die sich beiderseits anschließenden Vierflügelanlagen der Nebengebäude und modernisierte die Fassade des Mittelbaus nach französischem Vorbild. Aus dem Landsitz seiner Eltern wurde eine ausgedehnte Sommerresidenz – und diese war bei den bayerischen Herrschern überaus beliebt. Auch die Parkbauten – Amalien-, Baden- und Pagodenburg plus Magdalenenklause – sowie der Schlosspark sind Staatsbesitz, genau wie das Marstallmuseum und das Museum „Nymphenburger Porzellan“.

Überhaupt gehört dem Freistaat viel Grün. Neben den Maximiliansanlagen, in deren Mitte man den Friedensengel findet, ist auch der berühmte Englische Garten Staatseigentum. Mit einer Fläche von 375 Hektar zählt er zu den weltweit größten Parkanlagen.

Übrigens: Das Maximilianeum gehört der gleichnamigen Stiftung – und Bayerns Landtag ist dort eigentlich nur Mieter.

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