MÜNCHNER FREIHEIT

Meine Gedanken sind nicht ganz frei

von Redaktion

Es passiert nicht oft, aber ab und zu sitze ich vor meinem Laptop und weiß nicht, was das Thema meiner Kolumne werden soll. Dabei bin ich täglich mit offenen Augen und Ohren unterwegs und lese aufmerksam Zeitungen. Meistens begegnet mir da ein Thema, das die Grundlage für meine Kolumne sein könnte. Aber heute ist eben so ein Tag, an dem meine Gedanken nicht ganz so frei sind wie sonst. Mir fällt es nicht leicht, das Weltgeschehen zu ignorieren. Meine Kreativität und mein Humor sind etwas in Mitleidenschaft gezogen. Wenn Urlaubsparadiese zu Kriegsschauplätzen werden, denkt man beziehungsweise ich schon darüber nach, was gerade alles so auf dieser Welt passiert.

Gleichzeitig bin ich unendlich froh, dass in meiner kleinen persönlichen Welt grenzenlose Harmonie herrscht. Nachdem uns mein Rücken urlaubstechnisch ausgebremst hat, sind wir jetzt einfach für ein paar Tage in die niederbayrische Toskana gefahren. Noch vor ein paar Tagen hätte ich gesagt: „Wir machen auch wieder Urlaub im Nahen Osten.“ Das haben wir immer so bezeichnet, weil Niederbayern im Osten unseres Landes liegt und eben nicht weit weg ist. Während Freunde von uns immer voll der Begeisterung waren, um diese Jahreszeit im „wirklichen“ Nahen Osten, sprich in Katar, im Oman oder in der Türkei zu urlauben. Jetzt gerade hat es einen ganz komischen Beigeschmack, das so auszusprechen.

Was ist es doch für ein Geschenk, morgens von singenden Vögeln geweckt zu werden und nicht von bedrohlichen Störgeräuschen. Dabei müssten diese nicht unbedingt etwas mit einem Krieg zu tun haben. Hier kommt man einfach in einer anderen Zeit an, nämlich einer sehr friedlichen. Und ich bin froh, dass ich ein bisschen entfliehen konnte. In dem Moment, wo ich das schreibe, denke ich mir schon wieder: „Sei doch froh, nicht wirklich fliehen zu müssen.“ Auch von einer „explodierenden“ Landschaft zu schreiben, könnte falsch gedeutet werden, selbst wenn es offensichtlich ist, dass man die Krokus-Knospen meint, die sich über Nacht in offene, prächtige Blüten verwandelt haben.

Aber dennoch möchte ich mich vom Weltgeschehen nicht lähmen lassen und heute Abend das politische Geschehen aus bairischer Sicht, sprich die Starkbierprobe auf dem Nockherberg, mit Fastenrede und Singspiel „live“ voll und ganz genießen. Auf das Derblecken freue ich mich besonders und bin neugierig, wie mein lieber Kollege Stephan Zinner „austeilt“. Ich hoffe, dass seine Gedanken komplett frei sind, er befreit aufsprechen kann, ihm nichts falsch ausgelegt wird und die „Derbleckten“ es genauso verstehen, wie es gemeint war, und herzlich darüber und vor allem über sich selbst lachen können. Denn: Lachen ist eine Sonne, die selbst den trübsten Tag erhellt.

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