Schandfleck in Bestlage

von Redaktion

In Stachus-Nähe verwahrlost das Gelände am ehemaligen Bella Italia

Auf den Gehsteigen in der Nähe seines Lokals entdeckt Wirt Hagenbucher immer wieder Kothaufen. An der Sonnenstraße nächtigen zudem Obdachlose.

Vom ehemaligen Bella Italia ist nur noch eine verfallende Ruine übrig. Tobias Hagenbucher, Wirt vom Bohne & Malz, bezeichnet die Zustände in der Gegend als geschäftsschädigend. © Oliver Bodmer (3)

Früher wurde hier Pizza serviert, heute liegen Spritzen im Gebüsch. Die Gegend am ehemaligen „Bella Italia“ an der Herzog-Wilhelm-Straße hat sich in den vergangenen zwei Jahren stark verändert – sehr zum Ärger der Nachbarschaft. Dem Wirt des gegenüberliegenden Lokals Bohne und Malz, Tobias Hagenbucher, stinkt’s allmählich: „Wenn wir morgens das Lokal aufsperren, haben wir oft einen Kothaufen vor der Tür.“

Nachts treiben sich Drogensüchtige und Obdachlose auf dem Gelände herum. Trotz Bestlage in Stachusnähe herrscht Verfall. Schön ist am ehemaligen Bella Italia nichts mehr, obwohl es unter Denkmalschutz steht. Der Pavillon wurde 1970 vom Architekten Paolo Nestler erbaut. „Das Grundstück gehört der Stadt, doch die lässt es verfallen. Zwischen Spritzen und Müll rennen die Ratten“, berichtet Hagenbucher, der sich beim Kommunalreferat beschwert hat. Zur Antwort bekam er: „Wir haben für das Gebäude bereits eine weit über den städtischen Standard hinausgehende Überwachung durch einen externen Sicherheitsdienst beauftragt.“ Der schaue zweimal am Tag und zweimal in der Nacht zu verschiedenen Zeiten vorbei. Außerdem sei die Polizei angehalten, das Areal verstärkt zu kontrollieren.

Eine Firma sei mit der Rattenbekämpfung beauftragt worden. Hagenbucher zeigt eine kaputte Rattenfalle und frische Kothaufen. „Ein Dixi-Klo wäre sicher schon mal eine erste Lösung. Das müsste dann natürlich auch regelmäßig geleert werden. Außerdem wollte ich, dass man Licht mit Bewegungsmeldern und Kameras installiert, aber das wurde als zu teuer abgelehnt.“ Ferner wünscht er sich, dass die angrenzende Agip-Tankstelle nachts keinen Alkohol mehr verkaufen darf.

Was das Dixi-Klo angeht, teilt das Kommunalreferat auf Nachfrage unserer Redaktion mit: „Entsprechend der Festsetzungen des Beschlusses des Bauausschusses vom 3. Dezember 2019 gelten im innerstädtischen Bereich Standorte in Distanz bis zu 500 Metern zur nächsten öffentlichen Toilette als abgedeckt.“ Ein Problem dürfte sein, dass die Toiletten in der Nähe – am Sendlinger Tor und am Stachus – kostenpflichtig sind.

Hagenbuchers Vater hat das Bohne & Malz vor 27 Jahren in der Herzog-Wilhelm-Straße eröffnet. „Damals sah das hier noch anders aus“, erzählt der Senior. Vater und Sohn sind sich einig, dass sie sich das nicht mehr ewig mitanschauen. „Wir machen abends immer früher dicht, weil es auf der anderen Straßenseite so zugeht. Dadurch haben wir Gewinneinbußen. Momentan arbeiten hier noch 40 Leute, aber wahrscheinlich müssen wir Personal abbauen.“ Dabei gibt es gar nicht viele Cafés rund um den Stachus, aber Betreiber und Gäste beklagen die zunehmende Verwahrlosung. „Wir zahlen eine Menge Gewerbesteuer. Da kann man doch was verlangen.“GABRIELE WINTER

Artikel 3 von 11