Singspiel auf dem Nockherberg 2026 mit u. a. Markus Söder (Thomas Unger) am Marterpfahl mit Wurst als Knebel. © ABR-Pictures/Frank Rollitz
Unzufrieden: Markus Söder und sein Nockherberg-Double Thomas Unger. © ABR
Die TV-Zuschauer konnten genau verfolgen, wie sich die Gesichtszüge des Ministerpräsidenten verfinsterten. Markus Söder in einer Nebenrolle. Als trällernder Barde, der am Ende an einen Marterpfahl gefesselt und mit einer riesigen Wurst geknebelt wird. Das gefiel dem echten Markus Söder wenig. „Ich glaube, dass die Rolle mir nicht so liegt“, sagte Söder über die Barden-Nummer gegenüber unserer Zeitung. Double Thomas Unger spielt den Ministerpräsidenten zurückhaltender als Stephan Zinner, bei dem der Franke immer ein hemdsärmliger Haudrauf war. Söders Fazit: „Es gab schon mehr Begeisterung für ein Singspiel.“
Doch die meisten wollten in die Kritik des CSU-Chefs nicht einstimmen. Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze empfahl dem Ministerpräsidenten, auf den Fastenprediger zu hören: „Da zitiere ich gerne Stephan Zinner: ‚Wer über sich selbst lacht, der tritt einen Schritt zurück, schaut von außen auf sich und was er tut. Der zeigt Größe.‘“ Auch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) fand das Singspiel gut, attestierte ihm „einen hohen politischen Anspruch“. Lob gab es für sein Double Wowo Habdank. „Schauspielerisch bin ich eine größere Herausforderung als Toni Hofreiter“, scherzte Dobrindt. Nur eines habe ihm missfallen. Die Darstellung, wie Jens Spahn die Union in Richtung AfD drängen wolle, sei „überspitzt“ und nicht fair.
„Wie jedes Jahr war das Singspiel am Nockherberg wieder amüsant und unterhaltsam“, fand OB Dieter Reiter. „Mein Double Gerhard Wittmann hat mich dabei hervorragend getroffen – besonders bei den routinierten Tätigkeiten, die man als OB halt so hat.“ In seinem Lied hatte Wittmann die betonte Langeweile parodiert, mit der Reiter seine Aufgaben nach zwölf Jahren im Amt zuweilen anzugehen scheint. „Mir war davor net klar, wie fad des alles is. Mei Lebn ist seit zwölf Jahr voll mit Déjà-vus“, jammert der Bühnen-Reiter da. „Jedes Jahr der Fasching, da huilft aa koa Verstecken, dann Geldbeutelwaschen und des saublöde Derblecken.“ Der echte Reiter hatte nur einen kleinen Einwand: „Das Glockenspiel im Rathaus nervt mich nicht, schon deshalb nicht, weil stets hunderte Menschen auf dem Marienplatz begeistert zusehen.“
Richard Oehmann und Stefan Betz, die Autoren des Singspiels, schwiegen am Tag danach lieber. Ihre Arbeit ist getan. Das Ensemble hatte bis tief in die Nacht gefeiert – und alle Lieder noch einmal gemeinsam durchgesungen. Es gab auch Grund zu feiern, die Einschaltquoten waren gut. Die Live-Übertragung ab 19 Uhr verfolgten deutschlandweit im Schnitt 2,17 Millionen Menschen – ein Marktanteil von 9,9 Prozent. In Bayern sahen 23,7 Prozent das Derblecken. Gut, aber nicht Rekord. Über 40 Prozent Marktanteil in Bayern und bundesweit 2,82 Millionen Zuschauer verzeichnete man 2016.MIK/MZ/MBI