Millionenbetrug im Lotto-Laden

von Redaktion

Mitarbeiter löst Schein seines Kunden ein – 15 Monate Haft zur Bewährung

Patrick D. (31) vor Gericht: Er hatte den Spielschein eines Kunden mit einem Gewinn über 1,5 Millionen Euro einzulösen versucht. © Jantz, Weißbrod/dpa

Es hat nicht viel gefehlt, und Patrick D. (31) wäre jetzt reich. Den Spielschein mit der Nummer 039520 hatte der Kassierer schon in der Hand – und wusste, dass er damit einen Lottogewinn über rund 1,5 Millionen Euro einlösen könnte. Doch dann machte der Betrüger einen Fehler: Mit dem Schein fuhr er in die Lottozentrale an der Theresienhöhe in München, um sich das Geld auszahlen zu lassen.

Vor Ort erfolgte auch das sogenannte Gewinnergespräch, in dem Lotto-Expertin Verena Ober zukünftige Millionäre berät. Im Hintergrund prüfen Experten aber stets, ob alles mit rechten Dingen zuging. Und im Fall von Patrick D. war das nicht so: Denn er hatte versucht, den Spielschein eines Kunden einzulösen – als registrierter Mitarbeiter einer Lotto-Annahmestelle darf er dort gar nicht spielen und flog auf. Deshalb wurde Patrick D. nun der Prozess gemacht.

Im Anzug und mit hängendem Kopf sitzt der 31-Jährige auf der Anklagebank. Den Betrugsversuch gibt er über seinen Strafverteidiger Klaus Wittmann zu. „Bedienkräfte haben eigene Registriernummern. Auf der Spielquittung sieht man das nicht, aber für die Zentrale ist es ersichtlich“, sagt eine Juristin von Lotto Bayern. „Wir haben direkt die Rechtsabteilung eingeschaltet und Strafanzeige gestellt.“ Zum Glück seien solche Betrugsfälle aber „extrem selten“. Verena Ober zufolge schützt sich Lotto Bayern „durch unsere Systeme, bei denen jegliche Transaktionen nachvollziehbar sind, sowie Sicherheitsmerkmale bei den Spielquittungen“.

Doch die Umstände des Millionenfalls lassen aufhorchen. Denn vor Gericht kommt heraus: Hätte der 31-Jährige eine Freundin den Spielschein einlösen lassen, hätte sie das Geld wohl bekommen. „Gegen Originalquittung wird an jeden ausgezahlt“, bestätigt die Juristin vor Gericht.

Die 1,5 Millionen Euro für den echten Gewinner sind aber auf jeden Fall futsch. Denn als Kunde Manfred K. (Name geändert) seinen Lottoschein im April 2024 in der Grasbrunner Tankstelle aufgegeben hatte, erfuhr er gar nicht, dass er 1,5 Millionen Euro gewonnen hatte. Das nämlich soll ihm ein Mitarbeiter bei der Gewinn-Abfrage verheimlicht haben – und gab den Spielschein später an den Angeklagten weiter. Manfred K. wiederum hatte den Schein auch gar nicht mitgenommen – im Glauben, er hätte nichts gewonnen. Selbst überprüft (etwa am Scanner des Ladens, dem Terminal an der Kasse oder im Internet) hatte er seinen Spielschein nicht.

Und da er kein registrierter Lottokunde ist, sondern anonym gespielt hatte, war er als Gewinner später „nicht mehr ermittelbar“, wie die Staatsanwaltschaft bestätigt. Auch, weil die Videos der Tankstelle nach drei Tagen gelöscht wurden. Wer der wirkliche Millionär ist, bleibt also unklar. Ohne seinen Spielschein hätte er eh keine Chance mehr auf den Gewinn – verjährt wäre dieser am Ende des dritten Kalenderjahres nach der Ziehung, wie Verena Ober erklärt.

Nur selten komme es vor, dass jemand seinen Gewinn nicht abholt – zwei potenzielle Lotto-Millionäre verschliefen zuletzt aber ihr Geld. Derzeit sei noch ein Gewinn „von rund 18 Millionen Euro offen“, der am 6. August 2025 im Raum München erspielt wurde.

Patrick D. ist davon weit entfernt. Er erhielt 15 Monate Haft zur Bewährung – und beginnt jetzt eine Lehre als Kaufmann.ANDREAS THIEME

Artikel 1 von 11