Wunden lecken bei der CSU

von Redaktion

Clemens Baumgärtner verpasst Stichwahl – Im Stadtrat nur zweite Kraft

Fraktionschef Manuel Pretzl sieht sich mit angespannter Miene das Wahlergebnis auf einem Bildschirm an. Rechts: CSU-München-Chef Georg Eisenreich. © Jens Hartmann (3)

Enttäuscht: CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner flog bei der OB-Wahl raus.

Bei der Oberbürgermeister-Wahl Dritter, bei der Stadtratswahl nur Zweiter: Die CSU wurde mit ihrem OB-Kandidaten Clemens Baumgärtner hart ausgestochen – nur Rang 3 mit 21,3 Prozent. Auch bei der Stadtratswahl erlebte die Partei (Stand Montag, 17.30 Uhr, Endergebnis stand zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest) eine herbe Enttäuschung: nur Zweitplatzierter hinter den Grünen.

Dabei hatte die CSU den ganzen Tag lang mit 21 Sitzen vor den Grünen (19 Sitze) gelegen. Dann folgten die Ergebnisse der Stimmzettel mit kumulierten und panaschierten Stimmen – und damit der Nackenschlag für die CSU am Nachmittag: Die Grünen sprangen auf Platz 1, hatten plötzlich 21 Sitze – und die CSU nur noch 19. Heißt: Eine CSU-geführte Koalition mit SPD, Freien Wählern und FDP hätte vor 17.30 Uhr eine Mehrheit gehabt. Die Möglichkeiten nach 17.30 Uhr: plötzlich stark begrenzt. Nur noch mit der München-Liste (1 Sitz im Stadtrat) würde diese Kombi auf 41 von 80 Stimmen kommen – und das nur, wenn OB Dieter Reiter am 22. März die Stichwahl gegen Herausforderer Dominik Krause (Grüne) gewinnt.

Offiziell wollte in der CSU gestern deshalb niemand zu möglichen Konstellationen Stellung nehmen – weil noch nicht alles ausgezählt war. Klar ist aber: Selbst mit den Grünen hatte die CSU am Montagabend nur dann eine hauchdünne Mehrheit, von 41 Stimmen, wenn Dominik Krause in der Stichwahl OB Reiter entthront.

Eine Koalition mit den Grünen hatte CSU-Chef Georg Eisenreich im Vorfeld der Wahl deutlich abgelehnt. „Ich bin kein Freund von Schwarz-Grün“, sagte er im Juli 2025 unseren Zeitungen. Gestern klang das auf Anfrage ganz anders. Eisenreich: „Es gibt keinerlei Festlegungen der CSU München.“ Auch OB-Kandidat Clemens Baumgärtner wollte sich auf Anfrage nicht zu einem möglichen Bündnis äußern – also auch nicht ausschließen. Erst einmal wolle er das Endergebnis abwarten, danach „Gespräche führen“. Selbst CSU-Chef Markus Söder verbot eine Zusammenarbeit mit den Grünen nicht. Das sei eine Entscheidung in den Kommunen vor Ort, sagte er gestern.

Richtige Gespräche wird es erst nach der OB-Stichwahl am 22. März geben, heißt es in der Partei. In der CSU ist man sich auch gar nicht mehr sicher, dass Dieter Reiter die gewinnt. Die Partei verzichtete gestern auf eine Wahlempfehlung. Partei-Chef Söder reagierte auf das Ergebnis in München (siehe Kasten) und betonte, sowohl die CSU in München als auch die Landesebene werde „erst mal keine Empfehlung“ für die Stichwahl geben, „wer da gewählt werden soll“.

Nach Informationen unserer Zeitung kam Reiters FC-Bayern-Affäre in der CSU gar nicht gut an. Die Befürchtung: Der Fehltritt des OB hat viele Nichtwähler mobilisiert – die dann aber grün wählten, was der CSU das Ergebnis verhagelt hat. Ein CSUler im Rathaus ätzt: „Das kannst du fast nicht machen, mit dem, was er sich da geleistet hat.“

Die Grünen registrieren die neue Reiter-Allergie der CSU mit Freude – und sehen deren Wähler bereits als Stimmenlieferant bei der Stichwahl: „Wir sind uns sicher, dass viele Baumgärtner-Wähler jetzt Dominik Krause für die bessere Wahl halten“, sagte die Landesvorsitzende der bayerischen Grünen, Eva Lettenbauer.

Lassen die Schwarzen jetzt den angeschlagenen Dieter Reiter fallen, paktieren mit den Grünen zugunsten eines neuen OBs Dominik Krause? Und das, obwohl die grüne Politik Hauptangriffspunkt der CSU im Wahlkampf war? Ein Pakt mit den Grünen wäre eine ziemliche Wende. Oder eher: ein Winden.T. GAUTIER, S. HORSCH

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