Die ersten Plakate von Grünen und SPD für die Stichwahl stehen bereits.
OB Dieter Reiter am Wahlabend. Er will ab Donnerstag raus auf die Straße. © Marcus Schlaf
Bereits gestern Nachmittag verteilte Herausforderer Dominik Krause Flyer am Sendlinger Tor. © Martin Hangen
Nach der Wahl ist vor der Wahl. Das Auszählen ist beendet, die Wahlkommission hat getagt und das offizielle Ergebnis bekannt gegeben – zumindest für den Chefposten im Münchner Rathaus. Geändert hat sich aber nichts mehr. Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) kommt auf 35,6 Prozent der Stimmen, Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) erreichte 29,5 Prozent. Beide müssen noch mal ran. Am 22. März findet die Stichwahl statt – Clemens Baumgärtner (CSU) hat den Einzug mit 21,3 Prozent verpasst. Er kann an dem Tag theoretisch auf der Couch bleiben.
Raus müssen Dieter Reiter und Dominik Krause – und zwar jetzt schon. Raus auf die Straße. Krause war gestern Abend mit Grünen-Spitzenpolitikerin Katharina Schulze am Sendlinger Tor unterwegs, verteilte Flyer. „Schlafen kann ich wann anders“, hatte der 35-Jährige erst am Montag im Gespräch gesagt. Doch während der Grünen-Kandidat bereits voll im Wahlkampfmodus ist, scheint der Amtsinhaber abgetaucht. Tatsächlich aber läuft hinter den Kulissen sehr viel bei den Genossen: Reiter rotiert noch, Krause kämpft schon!
Nach dem Wahlergebnis vom Sonntag sei der OB doch sehr am Boden gewesen, verraten Parteifreunde. Am Montagabend aber war Parteivorstandssitzung. „Er hat viel Kritik ausgehalten und sich äußerst demütig präsentiert“, sagt einer der Teilnehmer. Ein anderer ergänzt: „Er hat sich sehr gut erklärt und viele Sympathien zurückgewonnen.“ Die Partei und ihr Primus suchen den Schulterschluss, wollen nun Vollgas geben. Mit dem Verteilen der Flyer wird heute bereits begonnen. Die ersten Plakate stünden bereits seit dem Sonntagabend.
Klar ist aber: Für die Stichwahl braucht es eine andere Strategie. Denn: Der OB und auch viele in der Partei waren bis zum ersten Ergebnis am Wahlabend noch der Meinung, Reiter würde im ersten Wahlgang 40 Prozent erreichen – und die Stichwahl könne man dann so angehen wie 2020. Damals holte er 47,9 Prozent, in der Stichwahl gegen Kristina Frank (CSU) dann 71,7 Prozent.
Das historisch schlechte Ergebnis hat kaum jemand kommen sehen. „Niemand hat damit gerechnet, dass es so knapp wird und wir kämpfen müssen“, sagt ein Genosse. Doch das müssen sie – und wollen vermehrt in den Außenbezirken angreifen, in denen Reiter bei der OB-Wahl vorn lag – und die CSU bei der Stadtratswahl. Also eher die konservativen Wähler ansprechen. „Wir wollen zeigen, dass wir die ganze Stadt im Blick haben“, sagt ein Wahlkämpfer. „Nicht nur die Milieus in der Innenstadt.“ Dieter Reiter sagte auf Anfrage: „Ich bin gemeinsam mit meiner Partei ab Donnerstag auf der Straße in direktem Kontakt mit den Bürgern.“ Die Termine würden abgestimmt. „Bis zur Stichwahl werden meine Partei und ich gemeinsam mit vollem Einsatz für die Wiederwahl kämpfen.“SASCHA KAROWSKI