Ich kann Ihnen sagen: Sightseeing ist auch nicht mehr das, was es mal war. Venedig hat damit angefangen und Eintritt für die Lagunenstadt verlangt. Ab Ostern muss man nun wieder blechen, wenn man das originale „O sole mio“ mal hören möchte. Oder sich von den Tauben auf dem Markusplatz einen Schiss abholen möchte. Stilecht durch die Stadt zu gondeln, kostet eh schon ein halbes Vermögen, jetzt ist auch noch der Spaziergang durch die Altstadt an vielen Tagen kostenpflichtig. Das ist quasi die Paywall des italienischen Tourismus.
Und weil’s bei den Kollegen in den letzten beiden Jahren so lukrativ war, haben die Römer gleich nachgezogen und verlangen Eintritt am Trevi-Brunnen. Irgendwie absurd: Ich muss jetzt dafür zahlen, wenn ich meine Münzen in den berühmten Brunnen schmeißen will. Wir könnten ja einfach auch den Eintritt statt in den Automaten ins Wasser werfen. Aber das finden die Römer nicht so prickelnd. Ob das mit dem Wiederkommen in die Ewige Stadt auch funktioniert, wenn ich dann einfach die Eintrittskarte ins Wasser werfe? Die ist doch quasi bares Geld wert.
Nun besteht ja hier in Deutschland die Meinung: Was die Italiener können, können wir schon lange. Dass das nicht so funktioniert, hat eigentlich das Maut-Debakel von Andreas Scheuer ziemlich deutlich gezeigt. Aber sei’s drum, die erste deutsche Stadt probiert das mit dem Eintritt nun auch aus. Wer den Kölner Dom besichtigen will, wird ab Juli zur Kasse gebeten. Vergelt’s Gott ist da dann auch Geschichte. Nur wer wirklich beten will, darf noch umsonst rein. Für ein echtes Stoßgebet gibt’s also weiterhin keine Quittung. Knapp vorbeigeschrammt am Pakt mit dem Teufel, würde ich sagen.
Wirklich verblüffend ist es ohnehin nicht, dass nun ausgerechnet die katholische Kirche mit dem Eintritt hierzulande beginnt. Zum einen lebt ihr oberster Chef auf Erden in Italien, zum anderen kennt man das Prinzip noch von früher. Stichwort: Ablasshandel, die Vollkasko-Versicherung für das Jenseits.
Aber glauben wir wirklich, dass es bei Köln bleiben wird? Wir sollten uns in München schon mal vorab überlegen, wo wir unsere Kasse aufbessern könnten. Schließlich haben wir es gerade ja nicht so dicke. Eisbachwelle – Mist, die hat sich vom Acker gemacht. Marienplatz – schwierig zu kontrollieren. Wiesn – ja, da sind die Eingänge eh mit Security besetzt. Natürlich mit den Ausnahmen wie in Venedig: Einwohner, Pendler, Schüler, Studenten, Angehörige und Menschen mit Behinderung müssen da keinen Eintritt zahlen. Hatte das mit den Ausnahmen nicht am Ende den Mautplänen von Scheuer so richtig das Genick gebrochen? Aber egal: Lassen wir die Auswärtigen doch einfach künftig dafür blechen, dass sie diese horrenden Bierpreise zahlen. Die meisten Münchner spazieren da sowieso nur noch zum Gucken hin. In Venedig, Rom und Köln würde allerdings genau das kosten. Verkehrte Welt.