Viktualienmarkt: Zu viel Party?

von Redaktion

Standlbesitzer beklagen Einbußen durch Feier-Volk und viel Müll an Samstagen

Richard Heitele (Foto links) von Blumen Rainer. Aus der Metzgerzeile: Alexander Katzer. Ganz rechts: Elke Fett und Marlene Wolf. © Oliver Bodmer

Am Samstag wurde es wieder sehr eng: Hier vor dem Stand von Marco Stohr (li.). © Stohr (1)

Bei strahlendem Sonnenschein drängten sich zigtausende Menschen am vergangenen Samstag auf dem Viktualienmarkt. Viele von ihnen kamen nicht zum Einkaufen, sondern zum Sekttrinken, zum Ratschen und Party machen. Diese Situation beobachten die Händler schon länger. Einigen von ihnen reicht es jetzt. Sie beklagen wegen des Feiervolkes Umsatzeinbußen. Andere hingegen machen mehr Geschäft.

Elke Fett und ihre Enkelin Marlene Wolf vom Standl Duftschmaus jedenfalls sind sauer. Am Samstag sei die Lage ab 14 Uhr wieder einmal eskaliert. „Der Platz vorm Standl war rappelvoll“, sagt Wolf. Viele hätten Becher mit alkoholischen Getränken in der Hand gehabt. Die Menschen drängten in ihren Stand. „Jetzt ist die Plane ausgebeult, weil sich die Leute dagegengelehnt haben“, schimpft Wolf. Kunden kamen durch die Menschentrauben kaum mehr hindurch. Die Folge: Sie meiden den Markt. Für die Standlfrauen ist das verhängnisvoll. Denn Samstag ist ihr umsatzstärkster Tag in der Woche. „Ich verstehe, wenn die Leute raus möchten, aber wir müssen hier unser Geld verdienen“, sagt Wolf.

Elke Fett stört zudem, dass nur eine Marktaufsicht für das gesamte Gelände zuständig war. „Er kann doch nicht tausenden Menschen gerecht werden“, sagt sie. Das sei vor allem deutlich gewesen, als ein Strohkorb der Nachbarin anfing zu brennen, weil jemand eine brennende Zigarette hineingeschmissen hatte. Fett möchte nun im Notfall eine Wasserpistole gegen zu viele Menschen einsetzen. „Ich weiß nicht mehr, wie ich mich sonst wehren soll.“

Ähnliches berichtet Richard Heitele von Blumen Rainer. Auch er hatte am Wochenende weniger Geld in der Kasse, sagt er. Er kenne die Gastronomie. Deswegen verstehe er, dass die Menschen essen und trinken wollen. „Das größte Problem ist die Art und Weise“, stellt er fest. „Es liegen so viele Glasflaschen, Scherben und Müll herum“. Das zuständige Müllpersonal müsse regelmäßig am Wochenende Überstunden machen. Zudem würden Kunden über Flaschen stolpern und Hunde in Scherben tapsen. „Ich fände es schade, wenn man gesetzlich dagegen vorgehen müsste, aber ich sehe langfristig keine andere Lösung mehr.“

Marktsprecher Marco Stohr beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge. „Von April bis August setze ich an den Samstagen am meisten um.“ So gehe es vielen. Er schlägt vor, Flächen klar zu markieren. „So wären Korridore zum Durchgehen frei“. Von ihrem Vermieter, den Märkten München, hätte er für den Vorschlag aber keine Rückmeldung erhalten.

Dennoch wollen sie eine Lösung finden. „Wir prüfen, wie wir die Besucherströme besser verteilen können, etwa durch gezielte Lenkungsmaßnahmen an Wochenenden“, heißt es von den Märkten München. Die Zusammenarbeit zwischen Händlern, Marktaufsicht und Polizei soll noch enger werden. Zudem wurden mehr Mülleimer aufgestellt. Online-Kampagnen sollen die Besucher mehr sensibilisieren. Man verstehe die Sorgen der Händler.

Für andere ist der Trubel ein Glücksfall. Michael Schlegel verkauft an seinem Stand Wein und Spirituosen. „Ich sehe die Entwicklung eher als Chance“, sagt er. Er hat durch das neue Publikum mehr Zulauf. „Die jungen Familien beleben den Markt.“ So gewinne er neue Kunden dazu, weil mehr Leute auf seinen Stand aufmerksam werden. Auch bei den Metzgern seien die Schlangen am Samstagnachmittag länger geworden, schildert Alexander Katzer vom Fränkischen Wursthäus‘le. „Ich verkaufe zwar eine Handvoll mehr Leberkäs-Semmeln, dafür aber weniger Wurst.“ Es gehe hauptsächlich um Essen und Trinken zum Mitnehmen. Das bestätigt auch Michael Witte von Fisch Witte. „Wir haben an den Samstagen einen leichten Rückgang bei unserem Verkauf, das Restaurant ist aber immer voll.“

Für viele Händler steht jedenfalls fest: Sie wollen niemanden vom Viktualienmarkt vertreiben. Bei den wilden Samstagen müsse aber eine Lösung her – für alle. „Es muss halt eine gesunde Mischung sein“, resümiert Stohr.M. WANDINGER

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