Das zerschossene Auto des Dealers nach einem Polizeieinsatz im Dezember. © Mayr (2)
Der angebliche Mateo V. (re.) bei einem Fußballspiel.
Mateo V. (34) war ein super Kicker. In 14 Spielen schoss der Flügelspieler neun Tore für die Spielvereinigung Haidhausen 1906. Der Verein ist Erster in der Kreisliga 3, aber wohl nicht mehr lange. Ein Sportgericht hat dem Klub 27 Punkte gestrichen, weil Mateo V. unter falschem Namen gespielt hat. Neun Siege wurden aberkannt.
Eine kuriose Posse aus dem Amateurfußball – hinter der aber etwas viel Größeres steckt. Denn: Mateo V. heißt nach Informationen unserer Zeitung ganz anders (der Name ist der Redaktion bekannt). Der Mann ist laut Staatsanwaltschaft aktuell in Haft. Die Vorwürfe gegen ihn: versuchter Mord und bewaffneter Drogenhandel!
Am 2. Dezember wurde der mehrfach vorbestrafte Deutsche in der Constanze-Hallgarten-Straße (Obersendling) festgenommen – auf Grundlage eines Haftbefehls wegen Rauschgifthandels. Doch dann eskalierte der Einsatz: Der Verdächtige raste mit seinem schwarzen 1er BMW auf Polizisten zu – erst mehrere Schüsse konnten ihn stoppen. Der Fall machte stadtweit Schlagzeilen (wir berichteten).
Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler laut Landeskriminalamt fünf Kilo Amphetamine (zu denen Speed oder Crystal Meth gehören), 50.000 Euro in bar, mehrere scharfe Schusswaffen und mehrere falsche Pässe – dabei flog auch auch seine falsche Identität auf.
Noch im Dezember nahmen die Ermittler Kontakt zum Bayerischen Fußballverband (BFV) und zur SpVgg Haidhausen auf und erzählten ihnen vom Spieler mit dem falschen Namen. Haidhausen-Clubchef Giuseppe Scialdone fiel aus allen Wolken: Sein Mittelfeldstar – ein Drogendealer? „Das ist absoluter Wahnsinn“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. „Er war komplett unauffällig, schmiss nicht mit Geld um sich. Er sagte, er hat ein Fitnessstudio.“ Dass das alles Fassade war, habe man nicht wissen können, sagt Scialdone. „Der Spielerpass lag schon vor, wir haben nur die Daten übernommen. Wie hätten wir überprüfen sollen, dass seine Identität nicht echt ist?“ Er kann sein Pech nicht fassen: „Wir haben sogar Ablöse für ihn gezahlt.“
Mateo V. – im Münchner Amateurfußball ist sein Name ein Begriff, seine Tore sind in mehreren Videos im Internet zu bewundern.
Klar ist: 2014/2015 kickte der gebürtige Münchner noch unter seinem echten Namen beim VfB Forstinning (Kreis Ebersberg). 2015 dann beim SC Kirchheim. Doch im Oktober 2018 wurde er als Mateo V. beim FC Neuhadern registriert. Als solcher spielte er bis 2024 dort, am Schluss sogar in der Bezirksliga Oberbayern Süd. „Er war ein kreuzbraver Kerl“, sagt Vorstand Rainer Wagner. „Ich bin aus allen Wolken gefallen.“
In der Saison 2024/2025 wechselte er zum SV Aubing, hatte dort aber keinen Erfolg: nur Einwechselspieler, null Tore. 2025 schloss er sich der SpVgg Haidhausen an, kickte dort auf der rechten Außenbahn.
Aber: eben unter falschem Namen! Laut einer Mail des BFV an die Kreisligisten war er deshalb „nicht im Besitz einer gültigen Spielberechtigung“. Weiter: „Das Kreis-Sportgericht hat in seinem erstinstanzlichen Urteil zehn Spielwertungen zu Ungunsten der SpVgg Haidhausen vornehmen müssen, weil der betreffende Spieler aufgrund falscher Angaben nicht einsatzberechtigt gewesen ist.“
Der BFV macht auch klar: Haidhausen konnte von der falschen Identität gar nichts wissen. Deshalb habe das Sportgericht „auf weitere Sanktionen gegen den Verein ausdrücklich verzichtet“, heißt es in der Mail. Ein Sprecher auf Anfrage: „Der geschilderte Fall ist auch für uns ein Novum. Das Verfahren ist auch noch nicht beendet.“
Haidhausen-Boss Giuseppe Scialdone will das Urteil jedenfalls nicht akzeptieren. Er ist deswegen vors Verbandssportgericht gezogen, will unbedingt erreichen, dass sein Verein die 27 Punkte behalten darf. „Uns trifft keine Schuld, wir sind die Leidtragenden“, sagt er. „Wir alle – Verband und Verein – sind Opfer eines Betrügers geworden. Ich gehe davon aus, dass im Sinne der Gerechtigkeit entschieden wird.“THOMAS GAUTIER