Dieser Job ist das Höchste

von Redaktion

Über den Dächern der Altstadt: Im Alten Peter arbeitet bald ein neuer Türmer

Lehrer Thomas Altrichter in der alten Kirche.

Hoch über den Dächern der Stadt: der „Alte Peter“. © Imago, Martin Hangen (2)

Dieser Beruf ist das Höchste – direkt unterm Münchner Himmel! Hier im Alten Peter darf seit zehn Jahren der Türmer Joachim Wallner den großen, klimpernden Schlüsselbund tragen, der ihm Zutritt zu all den geschichtsträchtigen Räumen verschafft. Die Pfarrkirche St. Peter ist die älteste in München. „Jeder Winkel hier atmet Geschichte“, sagt Wallner. Demnächst wird ein neuer Stellvertreter an seiner Seite arbeiten.

Mit Wallner halten 15 Mitarbeiter – darunter Rentner, Studenten und Minijobber – den Betrieb am Laufen. Eine von ihnen ist Bianca, die auf die Meisterschule für Keramik geht und sich im Kassenhäuschen etwas dazuverdient. Auch Brandschutz- und Videoüberwachungstechnik hat sie im Blick. „Es ist schön, hier zu arbeiten. Es ergeben sich immer mal wieder Pläuschchen mit Menschen, die von überall hierherkommen und den Ausblick genießen wollen.“

„Es sind 306 wundervolle Stufen“, sagt Wallner beim Hochgehen. Der 52-Jährige prüft dabei die Technik, etwa im Nottreppenhaus, das parallel zum öffentlichen Aufstieg verläuft. Wallner ist für alles zuständig, was mit dem Turm zusammenhängt. Öffentlichkeits- und Behördenarbeit, Kassiertätigkeiten, Personalplanung, Führungen. „Ich bin rund um die Uhr für den Turm da.“

Wallner organisiert dort sogar Heiratsanträge. Fünf bis sechs Anfragen pro Jahr sind es, schätzt er. Kein Wunder bei dem herrlichen Ausblick! Oben angekommen, schwärmt Wallner: „Das Beste ist, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.“ Hinter der Oper ist der Monopteros zu sehen, am Ostbahnhof dreht sich das Riesenrad.

Jährlich lockt der Turm rund 400.000 Besucher an, darunter auch Schulklassen. An diesem Vormittag ist eine fünfte Klasse der Mittelschule Markt Indersdorf da, 26 Schüler und Lehrer. „Wir machen gerade eine Stadttour“, erklärt Lehrer Thomas Altrichter. „Hier wollen wir einen Überblick über ganz München bekommen.“ Und natürlich müssen die Kinder die vielen Stufen zählen. Die Aussichtsplattform ist auf einer Höhe von 56 Metern, insgesamt ist der Turm 91 Meter hoch.

Über ein Stüberl auf Höhe der Plattform geht es zu einer Treppe, die runter zum Glockenstuhl führt. Die sieben Glocken wiegen zusammen 14 Tonnen. Die älteste, die Arme-Sünder-Glocke aus dem Jahr 1327, hängt nicht im Glockenstuhl, sondern etwas tiefer. „Früher hat sie geläutet, wenn Priester zu den Sterbenden und Kranken zur Salbung gegangen sind oder wenn zum Tode verurteilte Menschen hingerichtet wurden“, erklärt Wallner. Früher galten Türmer als die Wächter der Stadt.

Wallner ist eigentlich gelernter Chemieingenieur. Als die Türmer-Stelle frei wurde, schlug seine Frau vor, übergangsweise hier zu arbeiten. Und Wallner gefiel es. „Also bin ich dabei geblieben.“

Erwachsene zahlen für den Aufstieg fünf Euro, ermäßigt drei, Schüler (sechs bis 17 Jahre) zwei Euro.FRANZISKA WEBER

Artikel 7 von 11