Kulturerbe und Reliquien

von Redaktion

Kabarettist Helmut Schleich.

Das ist doch mal eine gute Nachricht. Von der Schwabinger 7, der legendären „Schwasi“ in der Feilitzschstraße, ist eine Wand als Kunstwerk erhalten. Ich habe gedacht, das alte München findet man in unserer geschichtsvergessenen Stadt nur noch auf den Friedhöfen. Gut, wenn man das Überbleibsel der Kultkneipe bewundern will, muss man nach Bruckmühl fahren, aber immerhin.

Man stelle sich vor, vor Beginn des olympischen Bauwahns Mitte der 60er-Jahre wäre man mit dem alten München ebenso behutsam umgegangen. Dann könnte man heute vielleicht das alte Lehel irgendwo im Allgäu anschauen oder das Kaufhaus Roman Mayr, das einst am Marienplatz dem Kaufhof weichen musste, stünde jetzt womöglich irgendwo im Oberpfälzer Wald. Und was wäre erst mit dem sogenannten immateriellen Kulturerbe?

Der Münchner Grant, heute in München durch banale allgemein-deutsche Unfreundlichkeit ersetzt, der hat in Franken Asyl gefunden. Zwischen Ansbach und Hof, da beherrscht man sie noch, die Kunst der liebevollen Skepsis. Eng mit dem Grant ist der Föhn verbunden. Wer weiß, ob uns der Klimawandel dieses Münchener Kulturgut nimmt. Womöglich kann man, wenn man Hochhäuser nur hoch genug baut, warmen, trockenen Fallwind dort künstlich erzeugen.

Und was tun wir mit unseren Oberbürgermeistern? Ob die Münchner CSU eine Kiesl-Reliquie aufbewahrt, weiß ich nicht, aber den FC-Bayern-Schal vom Dieter Reiter, den würde die SPD sicher am liebsten unterm 60er-Stadion vergraben. Dumm nur, dass da schon die Wahlversprechen von Dominik Krause begraben sind.

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