Späte Reue: Jetzt wurde doch noch bezahlt. © Hofbräuhaus
Manchmal plagt einen noch nach Jahrzehnten das schlechte Gewissen. So den englischsprachigen Gast, der jetzt sein Herz dem Hofbräuhaus ausgeschüttet hat. Der Mann hatte 1976 einen Masskrug gemopst! Oder besser: aus Versehen mitgenommen. Das verrät ein Facebook-Beitrag des Hofbräuhauses vom Samstag.
„Ich habe Ihre Gaststätte vor etwa 50 Jahren besucht und bin nach einem ausgelassenen Abend am nächsten Morgen im Hotel mit einem Bierkrug von Ihnen aufgewacht, aber ohne Quittung“, schreibt der Engländer oder Amerikaner in einem Brief. „Ich habe ihn immer noch.“ In den Brief legte er außerdem 20 Euro. Denn: „Mir war immer klar, dass ich ihn nicht bezahlt habe. (…) Ich möchte nicht unehrlich sein (…). Ich möchte, dass Ihr Krug vollständig bezahlt ist.“
Über den aktuellen Kaufpreis für den Bierkrug hat sich der „Fan des Hofbräuhauses“, wie er sich selbst in der Unterschrift bezeichnet, zuvor auf der Internetseite der Institution informiert. Wobei es den Original-Krug, den der Gast damals mitnahm, wohl gar nicht mehr gibt. Egal, der Halbliter-Steinkrug „Saga“ kostet im Online-Shop des Hofbräuhauses 19,95 Euro. „Sie können (mit dem Geld) machen, was Sie wollen“, schreibt er, „Benzin kaufen, Witwen und Waisen unterstützen oder es in Ihren Valentinstags-Fonds einzahlen.“
Tobias Ranzinger, Pressesprecher des Hofbräuhauses, erzählt dem Merkur, dass solche Briefe gar nicht so selten sind. „Wir bekommen im Schnitt drei bis vier Mal im Jahr Post in dieser Art“, sagt er, „entweder mit Geld oder tatsächlich mit dem alten Krug darin.“ Wie viele Krüge entwendet werden, zähle das Hofbräuhaus aber nicht mit. „Da wir beschädigte Krüge mit kleinen Schäden sofort aussortieren, haben wir sowieso natürlichen Schwund.“ Außerdem gebe es ja den Ordnungsdienst an der Tür, der ein Auge drauf hat. „Somit dürfte sich das Aus-Versehen-Mitnehmen in Grenzen halten.“ Gespendet werden die 20 Euro Ranzinger zufolge an die Aktion „Bunte Münchner Kindl“. Bei dieser werden im Hofbräuhaus Schultüten und Schulmaterial gesammelt.
2020 hatte schon einmal eine Amerikanerin Furore gemacht, weil sie dem Haus am Platzl einen Krug zurückschickte – nach 55 Jahren. Die Frau namens Celeste Sweeney hatte das Gefäß mit 18 bei einer Europareise mit ihrer Schwester unbezahlt mitgenommen – und es nun bereut.ISABEL WINKLBAUER