Stand unter Schock: Herbert Glas verletzte sich schwer.
Schräger Unfall: Der Mazda hängt schief zwischen einem blauen Lkw und der Lärmschutzwand an der Autobahn 99 bei Allach. © Fotos: privat
Der weiße Mazda 2 hängt in der Luft. Eingeklemmt zwischen einem Lkw und der Lärmschutzwand der A99. Im Auto sitzt Intensivkrankenpfleger Herbert Glas (59). Der Landshuter steht unter Schock – und hat zwei gebrochene Wirbel. Echt schräger Unfall in München! Das Ganze passierte am Mittwoch, 11. März, gegen 13.15 Uhr. Herbert Glas: „Ich war nach der ambulanten Betreuung eines Patienten auf dem Weg nach Hause.“ 500 Meter nach dem Allacher Tunnel geschah es – Glas: „Ich fuhr auf der linken Spur, Tempo 80. Die Spur in der Mitte war frei, auf der rechten fuhr ein Lkw.“ Plötzlich sei der linke vordere Reifen des Lasters geplatzt, sagt Glas. „Ich habe mir gedacht: Warum zieht der auf einmal in die Mitte – da war es schon passiert. Der Lkw ist in die Leitplanke rein, hat mich mit meinem Auto mitgenommen. Es ging so schnell.“
Sein Glück: Die Leitplanke bestand aus gebogenen Betonteilen. „So wurde das Auto hochgehoben und nicht zerquetscht.“ Glas saß danach noch lange am Steuer. „Ich stand total unter Schock, habe nichts gespürt.“ Plötzlich habe ein Ersthelfer an seine Scheibe geklopft. „Er war von der Freiwilligen Feuerwehr“, sagt Glas. „Er fragte, ob es mir gut geht. Dann sagte er, dass er jetzt den Kofferraum aufmacht, damit ich aus dem Auto komme.“
Auf der Fahrbahn habe er sich erst mal hinsetzen müssen, sagt Glas. Während Polizei und Feuerwehr die Unfallstelle sicherten, habe er auch mit dem ukrainischen Fahrer des spanischen Lkw gesprochen. „Er meinte, es täte ihm total leid. Die Fotos des eingeklemmten Autos sind von ihm.“
Rund zwei Stunden später fuhr Glas weiter – an Bord des Abschleppwagens, der seinen Mazda mitnahm. „Der fuhr mit mir zu seiner Zentrale in Aubing. Und meinte, ich soll auf keinen Fall ans Steuer, weil ich unter Schock stand.“ Herbert Glas fuhr per Taxi nach Landshut – „für 239 Euro“. Daheim habe er geduscht, sei erst danach ins Krankenhaus gegangen. „Dort haben sie mich nach dem Röntgen eine Nacht dabehalten. Die Fortsätze von zwei Brustwirbeln waren gebrochen. Die Ärzte haben aber gesagt, dass die von allein wieder zusammenwachsen.“
Herbert Glas ist bis Anfang April krankgeschrieben. Danach will er wieder ans Steuer und wieder arbeiten: „Das Leben ist lebensgefährlich, heißt es. Da kann immer was passieren.“ Dass er mit dem Schock gut umgehen kann, da ist er sich sicher. „Vor 33 Jahren hat mich ein Patient in der Psychiatrie mit einem Messer angegriffen. Da werde ich diesen Unfall schon verarbeiten.“THOMAS GAUTIER