Alles leer: So könnte das Zwischengeschoss am Sendlinger Tor aussehen. Am Mittwoch spielt der FC Bayern in der Arena – ob die Fans mit der U-Bahn anreisen können, ist unklar.
Blumenhändlerin Mariam Karimi musste bei den jüngsten Streiks mit enormen Verlusten kämpfen. © Marcus Schlaf (2)/MIS
Nichts geht mehr. Beziehungsweise: Nichts fährt mehr, möglicherweise. Denn: Die Gewerkschaft Verdi hat erneut MVG-Angestellte zum Streik aufgerufen. Je nachdem, wie viele Beschäftigte tatsächlich die Arbeit niederlegen, könnte das zu Stillstand bei U-Bahnen, Bussen und Trambahnen führen. Am heutigen Dienstag geht’s erst mal um Beschäftigte in Leitstellen. Ob das spürbare Auswirkungen für die Passagiere haben wird, konnte die MVG gestern noch nicht sagen. Am Mittwoch (ab elf Uhr) und Donnerstag gilt der Streikaufruf dann auch für Fahrer: Da werden auf alle Fälle reihenweise Busse und Züge ausfallen. Ausgerechnet am Mittwochabend spielt der FC Bayern in der Allianz Arena gegen Bergamo. Ob mit oder ohne U-Bahn-Anschluss? Derzeit offen.
Klar ist dagegen: Die ständigen Streikwellen sorgen für Frust – bei Pendlern und Händlern. Mariam Karimi zum Beispiel betreibt das Blumen-Paradies im Zwischengeschoss am Sendlinger Tor. Als sie vom Streik hört, entgleisen ihre Gesichtszüge. Dann sagt sie: „Nein, bitte nicht schon wieder.“ Für sie hatten schon die letzten Warnstreiks heftige Folgen. Sie machte kaum noch Umsatz – und so geht es auch vielen benachbarten Händlern.
Am Blumenladen am U-Bahnhof laufen täglich tausende Menschen vorbei. Sobald die Züge stillstehen, ist auch hier alles leer. „Das ist wirklich eine Katastrophe“, sagt Karimi sauer. „Wir haben an diesen Tagen mindestens siebzig Prozent Einbußen.“ Die fehlenden Kunden hatten ihr schon das Geschäft zum Valentinstag versaut. „Und jetzt steht Ostern vor der Tür“, schimpft die Inhaberin. Von dem letzten Streik hat sie sich immer noch nicht wirklich erholt. Für Mittwoch und Donnerstag rechnet sie wieder mit einem großen Verlust.
Aber auch heute könnte es bereits U-Bahn-Ausfälle geben. Denn Verdi rief Mitarbeiter in den Leitstellen und im Fahrgastservice dazu auf, nicht zu arbeiten. Erstere sind unter anderem für die Stellwerke zuständig. „Wenn wir die Stellen nicht besetzen können, könnte das Einfluss auf die U-Bahn haben“, sagt ein Sprecher der MVG. Busse und Trambahnen seien davon nicht betroffen.
Am Mittwoch und Donnerstag geht‘s dann aber ums Fahrpersonal. Die MVG reagiert mit einem gestaffelten Not-Programm. Ein Sprecher sagt: „Die Prioritäten liegen wie bei den letzten Streiks auf den Linien 20 und U6.“ Verdi erwartet ein Streikaufkommen von über 70 Prozent.
Zurück ins Untergeschoss am Sendlinger Tor, zum Haferkater. „So kurzfristig war es bis jetzt noch nie“, sagt Mohammed Al-Sub. Jetzt müssen sie umplanen. In dem kleinen Laden gibt’s Porridge mit verschiedenen Komponenten wie Früchten, Schokolade oder Ziegenfrischkäse. Bestimmte Waren kommen immer frisch. „Für diese Tage bestellen wir dann weniger.“ Zudem verschieben sich die Schichten der Mitarbeiter. Statt vier stehen dann nur zwei Verkäufer im Laden. Al-Sub verstehe zwar die Reaktion der Fahrer, für das Geschäft sei es aber verhängnisvoll: „Wir nehmen vielleicht 15 Prozent von einem normalen Tag ein.“
Wenn U-Bahn und Tram nicht fahren, bleibt auch der Phonestop leer. „An diesen Tagen ist das Geschäft wirklich sehr schlecht“, sagt Mitarbeiter Abdul Rauf. Für ihn hat der Streik nicht nur Einfluss auf die Arbeit, sondern auch auf den Weg dorthin. „Ich gehe dann zu Fuß 45 Minuten hierher“.MARIE-THERES WANDINGER