Münchens irrstes Angebot

von Redaktion

Gratis-Haus in Obersendling? Das steckt wirklich dahinter – Interessent ist bereits gefunden

Makler Fritz Z. erhielt 400 Anrufe. © Harry Bruckmeier

Kurios: das verlockende Angebot.

Bitte nicht mehr anrufen: Diesen Altbau in Obersendling wollten sich Hunderte sichern, doch es gibt bereits einen Interessenten. © Facebook (2)

Ein Angebot – 400 Anrufe! Bei Immobilienmakler Fritz Z. klingelt seit Sonntagabend pausenlos das Telefon. Das große Kundeninteresse würde ihn normalerweise freuen, jetzt aber fleht er die Münchner an: Bitte nicht mehr anrufen!

Mei, ein bisschen hat er es sich selbst zuzuschreiben. Der Grund ist ein irres Immobilien-Angebot für eine Doppelhaushälfte in Obersendling. „Haus zu verschenken“, steht auf dem Schild am Gartentor des Objekts an der Traubinger Straße, dazu die Nummer des Maklers. Fritz Z. selbst hat es da aufgehängt – eigentlich, um Kaufinteresse zu erzeugen.

Doch die Aktion lief komplett aus dem Ruder. „Eine Dame hat das Schild fotografiert und auf Facebook gepostet. Seitdem hatte ich schon 400 Anrufe, und das bis 12 Uhr nachts“, sagt Fritz Z. Tatsächlich ging der Haus-Hammer online viral, verbreitete sich rasend schnell auf Facebook und über den Nachrichtendienst WhatsApp. Eine Frau namens Angela L. radelte nach eigener Aussage am Haus vorbei. In ihrem Post schreibt sie: „Bitte dort anrufen.“ Was die Leute auch taten. Fritz Z. nimmt ihr das nicht krumm, sagt er: „Sie hat sich schon bei mir entschuldigt. Sie meinte, sie habe Münchnern helfen wollen, die dringend eine Bleibe suchen.“

Ist das Haus also doch nicht zu verschenken? Natürlich nicht. „Das Haus ist ein Erbstück. Das Finanzamt hat es mit 1,6 Millionen bewertet, aber das ist viel zu hoch.“ Bis Ende März könnten es die Erben aber zu einem selbst gewählten Preis verkaufen – die Berechnung der Steuer würde sich dann an diesem Betrag orientieren, sagt Fritz Z. „Wir verkaufen es jetzt für 890.000 Euro, das spart den Erben viel Erbschaftssteuer. So gesehen gibt es das Haus gratis zum Grundstück dazu. Das wollte ich damit ausdrücken.“ Das Verschenk-Schild will er jetzt entfernen. Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen. Dennoch sei das Grundstück (580 Quadratmeter) mit dem renovierungsbedürftigen Haus (1922 erbaut) zu dem Preis natürlich ein „Schnäppchen“, sagt Fritz Z. „Es ist wahrscheinlich 1,2 Millionen Euro wert.“

Für den Preis gebe es rund 150 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche, einen großen Garten, Wohnzimmer mit Parkett, Einbauküche, Südwest-Terrasse und Garage in einer ruhigen Wohngegend im Münchner Süden. Anrufen brauche aber keiner mehr, sagt Fritz Z.: „Wir haben bereits einen Interessenten gefunden.“THOMAS GAUTIER

Artikel 1 von 11