Showdown um den Chefsessel

von Redaktion

Zur Stichwahl zwischen Dieter Reiter und Dominik Krause: Ein Blick in die Historie

Klare Sache: 2020 gewann Dieter Reiter in der Stichwahl gegen Kristina Frank (CSU). © MONTAGE: FrankHoemann/SVEN SIMON

Rivalen im Jahre 2014: Josef Schmid (CSU, li.) hatte gegen Dieter Reiter (SPD) das Nachsehen. © Marcus Schlaf

Historische Stichwahl: Amtsinhaber Erich Kiesl (CSU, re.) unterlag im Jahr 1984 Georg Kronawitter. © Archiv

Eine Stichwahl? Die gab es jahrzehntelang in München überhaupt nicht. Die Sozialdemokraten Thomas Wimmer und Hans-Jochen Vogel waren in der Landeshauptstadt so populär, dass sie im Zeitraum von 1948 bis 1966 jeweils klar die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang holten. Auch Georg Kronawitter gelang dies im Jahre 1972, ehe 1978 Erich Kiesl für die CSU das Rathaus eroberte. Genau jener Kiesl musste dann 1984 als amtierender OB in eine Stichwahl – und verlor. Politisch geschwächt durch die „Bauland-Affäre“, wurde er von den Münchnern abgestraft. Es triumphierte abermals Georg Kronawitter – der „rote Schorsch“ – mit 58,1 Prozent der Stimmen.

Es war die erste Stichwahl in der Landeshauptstadt, und es war eine besonders spannende und emotional aufgeladene. Danach folgten nur noch zwei weitere Stichwahlen (Kronawitter 1990 sowie Ude 1993, 1999, 2002 und 2008 gewannen auf Anhieb). Das Duell zwischen Dieter Reiter (SPD) und Dominik Krause (Grüne) ist demnach erst die vierte OB-Wahl nach dem Zweiten Weltkrieg, die in die Verlängerung geht. 2014 kam es dabei zu einem interessanten Wettstreit. Josef Schmid von der CSU hatte große Ambitionen, für seine Partei auf dem Chefsessel ins Rathaus einzuziehen, nachdem er 2008 Christian Ude klar unterlegen war. Doch schon im ersten Wahlgang landete er mit 36,7 Prozent hinter einem gewissen Dieter Reiter (40,4 Prozent), den die SPD als Ude-Nachfolger aufgebaut hatte. Die Stichwahl entschied Reiter – zuvor lange Zeit Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef – mit 56,7 Prozent für sich.

2020 wurde der Sozialdemokrat abermals in die Stichwahl gezwungen. 47,9 Prozent bei der ersten Abstimmung reichten nicht auf Anhieb. Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Grüne) lagen mit 21,3 und 20,7 Prozent dicht beieinander. Die Stichwahl war dann erwartungsgemäß eine klare Sache für Dieter Reiter im Duell mit Kristina Frank. Der Amtsinhaber holte 71,7 Prozent. Kurios: Wegen der Corona-Pandemie war damals ausschließlich Briefwahl möglich.

Am Sonntag kommt es nun also zum Showdown zwischen Dieter Reiter und Dominik Krause. Vor einem Monat hätte man wohl noch gesagt: kein Problem für den amtierenden OB. Doch die Ausgangslage hat sich nach der FC-Bayern-Affäre gewaltig geändert. Am 8. März kam Reiter auf 35,6 Prozent, Krause auf 29,5.KLAUS VICK

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