Im Juli geht das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz in Betrieb, fortan wird hier prozessiert. © Sigi Jantz
Kaum ein staatliches Bauprojekt hat in den vergangenen Jahren für so viel Ärger gesorgt wie das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz: 400 Millionen Euro bewilligte der Landtag dafür, sechs Jahre verspätet wird das XXL-Gebäude (40.000 Quadratmeter Nutzfläche, 54 Gerichtssäle) nun fertig – ab Juli arbeiten dort 1300 Juristen und Angestellte.
Neben Pandemie, Ukraine-Krieg und Rohstoffmangel hatte auch Baupfusch für die enorme Verzögerung gesorgt – und das will der Freistaat nicht auf sich sitzen lassen. Feuchteschäden am Gebäude wurden zwar mittlerweile behoben. Aber: Die Schadensverfolgung sei „angesichts der Komplexität des Schadens noch nicht abgeschlossen“, sagt ein Sprecher des Bauministeriums. „Tiefergehende Auskünfte“ möchte die Behörde dazu nicht geben – auch aus der Sorge heraus, dass die betroffenen Firmen eventuell selbst rechtliche Schritte einleiten könnten.
Auch die Gefangeneneinfahrt wurde zur peinlichen Panne. Sie war zu schmal, wie erst im Sommer 2025 entdeckt wurde – die Zeiserlwagen aus Stadelheim wären nicht durchgekommen. Deshalb musste das Tor der Tiefgarage ausgetauscht werden. „Das neue Tor wurde ohne Trennung in der Mitte und mit einer schmaleren Umrandung realisiert“, teilt das Ministerium mit. Doch auch hier gilt: „Die Kosten der Schadensbeseitigung werden beim Verursacher geltend gemacht.“ Mehrere Firmen könnten hier betroffen sein, mit Schadensersatz-Forderungen im fünfstelligen Bereich.
Vorerst will das Bauministerium noch nicht klagen, sondern hofft auf eine finanzielle Einigung mit den Verursachern. Wie realistisch das ist, bleibt abzuwarten. Zivilprozesse laufen laut Ministerium aktuell noch nicht. „Eine gerichtliche Durchsetzung der Ansprüche“, heißt es, stelle „das letzte Mittel dar.“ANDREAS THIEME