Pfarrer Rainer Maria Schießler (li., Foto li.) beim Rathaus-Stammtisch. Auch CityPartner-Chef Wolfgang Fischer diskutierte mit Lesern (re., Foto re.). © Martin Hangen (3)
Wie klingt München vor der Stichwahl? Das wollten wir von Ihnen wissen, liebe Leserinnen und Leser – und haben zum Endspurt im Rennen um den OB-Posten zum Rathaus-Ratsch auf dem Marienplatz eingeladen. Leser und Vertreter der Stadtgesellschaft diskutierten im Wildmosers mit Rathaus-Chefreporter Sascha Karowski über kommunalpolitische Chancen, Herausforderungen und Erwartungen, die sie an den künftigen OB haben. Die Stimmung war bestens – trotz vieler Baustellen. Und in einem war man sich einig: Ein Oberbürgermeister soll für die Münchner da sein – nicht für die Partei.
Viele haben ihr Kreuzchen schon gemacht. Pfarrer Rainer Maria Schießler scheint noch unentschlossen. „Und wenn man gar keinen findet?“, wirft er in die Runde. „Dann schreibst den Baumgärtner hin“, sagt sein Nebenmann. Gelächter. Beim Thema Stadthaushalt wird Schießler ernst: „Fast acht Milliarden Euro Schulden! Man muss mal anfangen, das wieder zurückzuzahlen. Schließlich geht es auch um die Zukunft der Jungen.“
Leser Harald Bernkopf sieht das anders. „Entweder wir sagen: Wir wollen eine schwarze Null im Haushalt, oder wir wollen große Investitionen tätigen. Beides gleichzeitig geht nicht. Wir machen ja keine konsumtiven Ausgaben, so wie es der Klingbeil gerade in Berlin macht.“
Zustimmung kommt von Martin Bauer, der ein Bekleidungsgeschäft im Hackenviertel führt. „Wir können uns nicht kaputtsparen.“ Er kritisiert, dass nötige Investitionen ausbleiben. „München will eine Kulturstadt sein und lässt den Gasteig vor sich hingammeln! Oder die Öffnung der Isar für Gastronomie und Kultur. Es gibt Studien über Studien – und nichts geht voran. Ich wünsche mir von einem OB, dass er die Dinge anpackt.“
„München darf nicht nur verwaltet, sondern muss auch gestaltet werden. Und die Münchner sollen auch mitgestalten dürfen“, fordert Sabine Kroiß, die neue Vertreterin der Standlleute am Viktualienmarkt.
Das sieht Wolfgang Fischer vom Verein CityPartner ähnlich: „Wir wünschen uns, dass der neue OB pragmatisch handelt, nicht dogmatisch.“ Die Angst der Geschäftsleute, die Autos könnten aus der Innenstadt verbannt werden, ist groß. „Deswegen wähle ich den Krause nicht, weil er ein Fanatiker ist“, meint Bauer. Er betont, dass die Kunden von weiter her viel Geld in die Stadt brächten.
Auch Leser Heinz Steinmann sieht die grüne Verkehrspolitik kritisch. „Der Weg von München geht Richtung autofreie Innenstadt. Das ist nicht meine Politik. Ich bin zu hundert Prozent bei Reiter und ich hoffe, dass die Wahlempfehlung der CSU für die SPD nicht zu spät gekommen ist“, sagt er.
Dass es eng wird bei der Stichwahl, das glauben alle. „Es ist schwer zu sagen, welche Wählergruppen, die nicht direkt an der Stichwahl beteiligt sind, wohin wechseln“, meint Fischer. Schließler scheint noch zu sondieren. Ihm fällt „dieser grüne Streifen quer durch München“ auf. Als gebürtiger Laimer hat der Pfarrer beobachtet, wie in Laim gewählt wurde. „Und ich habe mir gedacht: Wenn in Laim jetzt auch schon Grün gewählt wird – das war das biederste Viertel, wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe. Und jetzt wählen die da auch Grün!“
Brisant bei allen – das Thema Wohnen. Wanda Wirth erzählt, dass sie 2010 aus ihrer Heimatstadt wegziehen musste, weil sie sich die Miete in München nicht mehr leisten konnte. „Ich bin ins Würmtal gezogen.“ Ihre alte Heimat vermisse sie immer noch. Sie sieht in einem Kurswechsel eine neue Chance für die Stadt. „Der Dominik soll es machen, er ist frisch und unverbraucht.“ Krauses Plan, in München 50.000 neue Wohnungen zu schaffen, wird am Tisch als ambitioniert angesehen.
Auch sie fanden Gehör: lokale Probleme in den Vierteln – eine verhasste Bushaltestelle in der Lerchenau, weil direkt vor der Haustür; zugemüllte Straßen. Pfarrer Schießler kann mitfühlen. Auch ihm hätte man schon die Kirchenwand beschmiert. In der Lerchenau kenne er sich aber nicht aus. Leser Elmar Werner wohnt gern dort. Und er ist auch etwas stolz. „Ich wohne in einem Kiesl-Haus. Erich Kiesl. Der Oberbürgermeister. Der hat damals günstige Häuser gebaut, nur für die Münchner.“DAP, SKA