Wegen zahlreicher Baustellen fehlen hunderte Parkplätze in Laim, etwa an der Fürstenrieder Straße. © Martin Hangen
Gehsteigparken: Kurt Franssen muss zahlen.
Parkplatz-Petzer Florian G. aus Attenkirchen meldet regelmäßig Parksünder in München. © Markus Götzfried (2)
Kurt Franssen ist Rentner und wohnt in Laim. Wie viele in seinem Alter fährt der 75-Jährige Strecken, die er zu Fuß nicht mehr schafft, mit dem Auto. So auch an diesem Tag im Februar: Um Einkäufe zu erledigen, parkte er in der Wimpfener Straße, halb auf dem Gehsteig. So wie es hier seit 50 Jahren geduldet wird. Doch diesmal kam ein Bußgeldbescheid über 55 Euro aus Straubing. Jemand hatte ihn auf einem Petz-Portal im Internet gemeldet, das Falschparkerdaten an das Polizeiverwaltungsamt weitergibt. „Dass Anwohner hier seit Jahrzehnten parken, die Polizei vor Ort sie nicht aufschreibt und dass wir hier eine Riesen-Dauerbaustelle auf der Fürstenrieder Straße haben, wird einfach ignoriert“, klagt er.
Dann nennt er den Namen des Petzers, der auf seinem Bußgeldbescheid steht: Florian G. Wer ist dieser pflichtbewusste Bürger? Nach einer kurzen Recherche ist er schnell herausgefunden: Der Mann wohnt in Attenkirchen bei Freising, ist Umweltaktivist und kandidiert für die Grüne Offene Liste. Gefragt, warum er als Attenkirchener (60 Kilometer entfernt von München) in Laim Parksünder meldet, sagt er: „Ich bin öfter privat in Laim. Hier ist das Gehsteigparken besonders auffällig. Da nehme ich mir die fünf Minuten, fotografiere und melde.“
Gehsteigparken sei die Ordnungswidrigkeit, die toleriert werde wie nichts anderes, meint G. „Und ein Gesetz, dass sich Leute, die anderswo wohnen, nicht in die Parksituation eines Stadtviertels einmischen dürfen, gibt es nicht.“ Darüber, dass ihn manche als Denunzianten bezeichnen, ärgert sich der in München arbeitende Ingenieur nicht. „Da will ich nicht widersprechen. Wer bestehendes Recht verteidigt, ist immer ein Denunziant. Und die Polizei hat nichts dagegen.“
Seiner Meinung nach ist die Parkplatznot nicht so hoch, wie von den Parksündern beklagt. „Ich schätze, dass die Hälfte aller Gehsteigparker eine Garage hat. Entweder sind die Falschparker zu bequem, hineinzufahren, oder der Parkplatz ist zu klein für ihr Auto.“ Dass man für die Dauer der Laimer Mega-Baustelle das Gehsteigparken offiziell genehmigt, fände G. akzeptabel. Ansonsten gelte: „Wenn Autos auf dem Gehweg parken, dann dürfen auch Fußgänger auf der Straße Picknick machen.“
So sehr engagiert G. sich für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und Fußgänger, dass er sogar mit anderen Parkpetzern am Runden Tisch für Gehwegparken teilnimmt, den die ÖDP zweimal jährlich im Münchner Rathaus veranstaltet.
Rentner Kurt Franssen ist vom Übereifer seines Überwachers jedenfalls wenig angetan. „Ich verstehe diese moralische Haltung nicht. Das ist wie zu Stasi- und Nazi-Zeiten“, sagt er. „Auf Betroffene und Rentner wird einfach keine Rücksicht genommen.“ISABEL WINKLBAUER