Funkstille: Nach der SPD-Wahlparty am Sonntag ist Dieter Reiter von der Bildfläche verschwunden. © Hildenbrand/dpa
Er ist raus – und kommt wohl nicht wieder. Noch am Sonntagabend nach dem Wahldebakel kündigte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) an: „Das ist heute der letzte Tag meiner politischen Karriere.“ Und das war wohl buchstäblich so gemeint. Denn: Der OB kehrt dem Rathaus den Rücken.
Reiter ist bis auf Weiteres krankgeschrieben. Wann – und ob – er wiederkommt, ist unklar. Die Stadt bestätigte gestern: „Oberbürgermeister Dieter Reiter wird die Amtsgeschäfte aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres nicht wieder aufnehmen. In dieser Zeit übernimmt der 2. Bürgermeister, Dominik Krause, die Vertretung.“
Erst abgewählt, jetzt abgetaucht! Dabei hätte Reiter nach einem freien Tag heute wieder die Geschäfte führen sollen. Stattdessen leitet jetzt der 2. Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) die Verwaltung. Er hatte die Stichwahl gegen Reiter eh gewonnen, hätte aber erst vom 1. Mai an das höchste Amt in München bekleidet.
Noch sechs Wochen als abgewählter OB, das wollte sich Reiter offenbar nicht mehr antun. Aus der Partei heißt es, dass ihn negative Presseberichte nach dem Skandal um seine nicht genehmigten Posten beim FC Bayern schwer getroffen hätten – man spricht von einer regelrechten „Kampagne“. Dass er zurückkommt – unwahrscheinlich. Intern soll Reiter gesagt haben, er betrete das Rathaus nur noch, um seine Sachen abzuholen.
So wird ausgerechnet der neu gewählte OB Dominik Krause früher als gedacht zum Stadtoberhaupt. Er hatte gegen Reiter in der Stichwahl deutlich mit 56,4 zu 43,6 Prozent gewonnen.
Am Montag hatte sich Reiter schon online abgeschaltet: Sein Instagram-Account mit 64.000 Followern – nicht mehr zu erreichen. Genau wie sein Facebook-Account und sein WhatsApp-Kanal. Dort hatte sich Reiter in den vergangenen Jahren immer wieder zu großen Anlässen präsentiert – beim Wiesn-Anstich wie bei der eintägigen Absage des Oktoberfests 2025 nach einer Bombenwarnung. Er zeigte sich an der Eisbach-Welle, um sie nach einem Todesfall wieder zu öffnen, oder mit Star-Designer Philipp Plein. Zuletzt hatte er sich mehrfach auf Instagram wegen des FC-Bayern-Skandals entschuldigt.
Bei der Wahl half ihm das nicht. Analysen zeigen, dass SPD-Wähler scharenweise zu Dominik Krause überliefen. Selbst auf Instagram gewann Krause durch den Wahlsieg rund 80.000 Follower hinzu.S. KAROWSKI, T. GAUTIER