Am Tag nach der Wahl Dominik Krauses zum Münchner Oberbürgermeister äußern viele Münchner ihre Erwartungen an die neue Stadtspitze. Ein Überblick.
Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch (93), hat eine Gratulation an den neuen Oberbürgermeister der Weltstadt gesandt. Sie verspricht sich von der Wahl Dominik Krauses Signalwirkung. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) schätzt vor allem die Energie und Tatkraft des Grünen-Politikers. Er sei ein „enger Freund und Verbündeter der jüdischen Gemeinschaft“, erklärte Knobloch. „Sein Einsatz gegen Hass ist gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig – und seine Wahl deshalb auch ein Signal.“
Bei der Münchner Kultur GmbH und dem Verband der Münchner Kulturveranstaltenden hofft man nach dem Wahlsieg von Dominik Krause auf Unterstützung. „Im Wahlkampf hat er wiederholt wichtige Impulse für die Weiterentwicklung Münchens als Kulturstadt sowie für die Stärkung der freien Szene gesetzt“, sagt David Boppert vom VDMK. „Wir begrüßen diese Signale ausdrücklich und verbinden damit die Erwartung, dass diese Vorhaben nun auch gemeinschaftlich realisiert werden.“ Gleichzeitig freue man sich darauf, gemeinsam nachhaltige Perspektiven für Kunst- und Kulturschaffende in München zu entwickeln.
Den größten Handlungsbedarf sieht die Industrie- und Handelskammer (IHK) in einer besseren Verkehrsplanung und einer grundlegenden Modernisierung der städtischen Verwaltung. „Die Kommunalpolitik ist an vielen Standortfaktoren beteiligt, die für unsere Unternehmen vom Solo-Selbstständigen über Mittelständler bis zum Dax-Konzern hohe Relevanz haben“, sagt der IHK-Ausschussvorsitzende Peter Inselkammer, der auch Sprecher der Wiesnwirte ist. Weniger Staus, besser abgestimmte Baustellen und ein umfassendes Parkraumkonzept seien zentrale Themen. „Wir stehen jederzeit für den Austausch zu allen Sachthemen bereit, die unsere Wirtschaftsbetriebe in der Landeshauptstadt umtreiben.“
Der ADAC sieht die Mobilität als zentrales Thema der kommenden Jahre. München sei durch den Ausbau zentraler Infrastrukturprojekte wie der zweiten Stammstrecke sehr gefordert. Auch für das hohe Pendleraufkommen und den Innenstadtverkehr brauche man praktikable Lösungen. „Es gilt jetzt, die Mobilität in München insgesamt verlässlicher, sicherer und nachhaltiger zu gestalten – und dabei für alle Menschen verfügbar und bezahlbar zu halten“, sagt ADAC-Südbayern-Geschäftsführer Björn Dosch.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband wünscht sich von Krauses Amtszeit eine klare Haltung zum Zukunftssicherungsprozess. Das ist ein Prozess, an dem die Wohlfahrtsverbände gemeinsam mit dem Sozialreferat arbeiten. „Dabei geht es darum, eine gute soziale Infrastruktur für München zu erhalten, auch wenn die kommunale Haushaltslage angespannt ist“, so Karin Majewski, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Bayern. „Kontinuität, das heißt ein Bekenntnis für die soziale Landschaft in München.“MM