KOMMENTAR

Was uns das Münchner Wahl-Beben lehrt

von Redaktion

Technisch gesehen war das, was in den vergangenen gut zwei Wochen passiert ist, einfach eine Kommunalwahl. Gleichzeitig war es aber auch viel mehr: ein Lehrstück über das Leben, über richtig und falsch, über Gelingen und Scheitern. Die Lehren aus dem Münchner Wahl-Beben:

Das Glück des Tüchtigen: Der künftige OB Dominik Krause hat gezeigt, dass sich Arbeit auszahlt. Er hat nicht nur jetzt im Wahlkampf, sondern in den kompletten vergangenen zweieinhalb Jahren Vollgas gegeben. Er konnte nicht wissen, ob es sich auszahlen würde, aber es hat funktioniert. Sicher wäre aber andersrum gewesen: Hätte er nicht geackert, hätte er auch nicht gewinnen können.

Hochmut kommt vor dem Fall: Dass dieses Sprichwort zutrifft, hat Dieter Reiter am eigenen Leib erfahren. Ihm war anzumerken, dass er sich unantastbar fühlte – selbst dann noch, als seine FC-Bayern-Affäre öffentlich hochkochte. Viele haben den OB da als überheblich wahrgenommen. Diese Ausstrahlung hat wesentlich zum Jobverlust beigetragen – gepaart mit der Tatsache, dass Reiter Wahlkampf zunächst für überflüssig hielt.

Ehrlich währt am längsten: Das wichtigste Kapital ist Vertrauen – in der Politik und auch überall sonst. Reiter hat es verspielt, als er seine FC-Bayern-Einkünfte nicht ordentlich aufarbeitete. Wem man nicht mehr vertraut, dem traut man auch nichts mehr zu. Und mit dem will man nichts mehr zu tun haben, wenn es hart auf hart kommt.

Respekt und Taktik: Die CSU hat in der vergangenen Woche keine gute Figur abgegeben. Zuerst eine Wahlempfehlung für Reiter abgeben (in der Hoffnung, zusammen mit ihm zu regieren) und sich sofort nach Krauses Sieg als Partner der Grünen anzubieten, weil nur so echter Wandel möglich sei: Das passt nicht zusammen, das sieht aus nach Machterhalt zum Selbstzweck. Und: Das bringt keine Sympathiepunkte. Der viel beschworene Respekt vor den Wählern würde gebieten, sich erst dann Gedanken über Posten und Macht zu machen, wenn die Wahl vorbei ist.

Wer sich raushält, ist raus: Nur rund 45 Prozent aller Münchner haben in der Stichwahl überhaupt ihre Stimme abgegeben. Logisch klingt die Vermutung, dass vor allem viele klassische CSU-Wähler daheim geblieben sind, weil sie weder Reiter noch Krause unterstützen wollten. Bürger mit dieser Einstellung haben sich damit allerdings selber ins Abseits geschossen. Denn mit welcher Berechtigung will sich jemand hinterher über eine politische Entscheidung beschweren (zum Beispiel über ein Bauprojekt vor der eigenen Haustür), wenn er sich vorher selber bei der Kandidaten-Auswahl weggeduckt hat?

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