Wiesn-Test längst bestanden: Dominik Krause beim Anzapfen in der Bräurosl. © Michaela Stache
Dominik Krause mit jungen Grünen bei der Wahlparty in der Muffathalle. © Michaela Stache
Vollgas. Erst bei der Wahl-Party am Sonntagabend in der Muffathalle, dann am Montag in der Früh im Job im Rathaus. Denn Dominik Krause (35, Grüne), Münchens künftiger OB, kniet sich nach seinem Erfolg in der Stichwahl rein in seine Aufgabe. Was er angehen will und wie die Nacht nach der Party war: Das sagt Krause im Interview mit unserer Zeitung.
Wie lange haben Sie heute Nacht geschlafen?
Ehrlich gesagt fast mehr als in den vergangenen zwei Wochen. Um 1 Uhr bin ich nach Hause gegangen – und um 8 Uhr ging es dann heute früh wieder los. Also etwa sechs Stunden Schlaf – das ist okay.
Haben Sie gut geschlafen?
Ich bin schon mit vielen Gedanken ins Bett gegangen – denn ich habe großen Respekt vor dem, was jetzt ansteht. Aber nachdem ich in den vergangenen zwei Wochen nicht so viel Schlaf hatte, habe ich jetzt tatsächlich sehr gut geschlafen.
Wie viele Glückwunsch-Nachrichten haben Sie seit gestern Abend aufs Handy bekommen?
Da muss ich mal schnell mal schauen … Es sind jetzt noch über 100 ungelesene.
War eine Gratulation dabei, die Sie so gar nicht erwartet hätten?
Es gab keine, die ich gar nicht erwartet hätte, nein. Aber ich habe mich besonders darüber gefreut, dass Christian Ude angerufen hat am Wahlabend.
Müssen Sie noch Krawatten kaufen – oder haben Sie genug fürs große Amt?
Ich weiß nicht, ob der Münchner OB bei jedem Termin eine Krawatte tragen muss. Dieter Reiter hat das ja auch nicht gemacht. Aber selbstverständlich wird der gesamte Kleiderschrank noch mal auf den Prüfstand gestellt (lacht).
Mögen Sie uns ein bisschen davon erzählen, wie Sie aufgewachsen sind?
Ich bin an der Grenze zwischen Moosach und Untermenzing aufgewachsen, in Untermenzing zur Schule gegangen aufs Louise-Schröder-Gymnasium. Sozusagen bürgerlicher Randbezirk, in wohlbehüteten Verhältnissen. Die Geschichte, wie ich zur Politik gekommen bin, passt dazu. Ich habe ja angefangen, mich während meines Zivildiensts politisch zu engagieren, weil eine Nazi-Demo neben meiner Zivi-Stelle aufmarschierte. Ich war so geschockt davon, dass es noch richtige Nazis mit Springerstiefeln und Glatze gibt. Das hatte ich gar nicht mehr für möglich gehalten.
Was waren die ersten Worte mit Ihren Eltern nach dem Wahlsieg?
Ich glaube, das waren gar keine Worte. Wir sind uns einfach in die Arme gefallen.
Sie haben ein Sieben-Punkte-Programm für Ihren Start als OB vorgestellt. Was davon wollen Sie als Erstes umsetzen?
Inhaltlich sind es natürlich die ganzen Punkte zum Thema Wohnen – das war ja auch das zentrale Thema in diesem Wahlkampf. Wichtig ist mir aber auch, dass wir eine neue Führungskultur etablieren. Da geht es zum Beispiel darum, wie die Referentenrunde ausgestaltet ist. Wir müssen effizienter werden, wir müssen schneller werden – und dafür muss man auch mal neue Wege beschreiten innerhalb der Stadtverwaltung. Das heißt: Ich vertraue meinen Kolleginnen und Kollegen. Und wenn dann vielleicht der ein oder andere Fehler passiert, dann ist das beim ersten Mal kein Weltuntergang, sondern kann den Weg dafür bereiten, dass man Dinge besser macht und was draus lernt. Das ist mir sehr wichtig, weil ich glaube: Bei den Aufgaben, die wir haben, brauchen wir eine Stadtverwaltung, die brennt und Lust hat, Dinge zu bewegen – und nicht Sorge hat, dass sie irgendwelche Fehler macht und eine drüberbekommt.
Wenn Sie nur ein einziges Wort sagen dürften, wie Sie das neue Amt angehen: Welches eine Wort ist das?
Leidenschaftlich.