Legendäre Zeiten: Wolfgang Hauner mit dem damaligen Löwen-Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser (re.).
Der langjährige Pressesprecher der Bundespolizei in München, Wolfgang Hauner, verabschiedet sich nach fast fünf Jahrzehnten in den Ruhestand. © Martin Hangen
Zweimal schon hat Wolfgang Hauner den „Joker“ gezogen und seinen Pensionseintritt um ein Jahr verschoben. Nun aber wird es ernst für den 64-Jährigen. „Und jetzt passt es auch“, sagt der langjährige Sprecher der Bundespolizei am Hauptbahnhof. Der 31. März ist nach mehr als fast fünf Jahrzehnten sein letzter Arbeitstag. Hauner hat aber nicht nur ganze Reporter-Generationen mit Informationen versorgt: Allen Münchnern, deren Herz für die Blauen schlägt, ist sein Name bestens bekannt. Als einstiger Vizepräsident der Münchner Löwen.
Gleich zwei Mal hat er dieses Amt bekleidet: Von 2004 bis 2007 unter den Präsidenten Karl Auer und Alfred Lehner. Und dann noch mal von 2011 bis 2013 unter Dieter Schneider. In der legendären Vereinszeit in den 1990er-Jahren mit Präsident Karl-Heinz Wildmoser und Cheftrainer Werner Lorant war Wolfgang Hauner Junioren-Geschäftsführer und -Leiter. Das Löwenblut hat er schon in die Wiege gelegt bekommen: Er stammt aus einer alteingesessenen Münchner Familie. Der Vater hat ihn als kleinen Bub immer mit ins Grünwalder Stadion genommen. Geboren wurde Hauner 1961 übrigens in einer Klinik am Stachus. Praktisch vis-à-vis von seinem künftigen Arbeitsort am Hauptbahnhof.
Dass er einmal das Gesicht und die Stimme der Bundespolizei dort werden würde, hat er 1981 nicht geahnt. Seinerzeit entschied er sich, zum Bundesgrenzschutz – wie die Bundespolizei einst hieß – zu gehen. „Das war damals fast eine militärische Einheit.“ Hauners Freundeskreis war nicht so begeistert. Als er dann gleich zu schwierigen Einsätzen mit gewaltbereiten militanten Demonstranten – etwa wegen der Kernkraftwerkspläne in Brokdorf und wegen des Baus der Startbahn West am Flughafen Frankfurt – geschickt wurde, wusste der gelernte Kfz-Mechaniker, worauf er sich eingelassen hatte. Aber Wolfgang Hauner biss sich durch. Für ihn war klar, dass er eine Lebensentscheidung getroffen hatte. Und das hat er nie bereut.
Als er 1992 an den Hauptbahnhof versetzt wurde, gab es an dieser ereignisreichen Dienststelle keine Pressearbeit. Wolfgang Hauner hatte aber Erfahrung. Und wieder kommt der Fußball ins Spiel. Damals engagierte er sich als Jugendleiter beim FV Hansa Neuhausen und schrieb Berichte von den Nachwuchsteams, die an die Zeitungen gingen. Heute blickt er auf 33 Jahre als Pressesprecher bei der Bundespolizei und 49 Jahre im Berufsleben zurück.
Viel hat sich in dieser Zeit verändert. Gesellschaftlich, technisch und baulich am Hauptbahnhof München. Den Ort, an dem der Münchner so lange gearbeitet hat, gibt es so nicht mehr. Das ganze Areal ist Baustelle, die einstige Wache am Gleis 26 befindet sich im Abriss – das Team ist in neue Räume an die Denisstraße umgezogen. Angesichts dessen könnte man wehmütig werden. Doch das ist nichts für Wolfgang Hauner. Er freut sich auf den neuen Lebensabschnitt und viel Zeit auf dem Rennrad. Er sagt, die Arbeit als Pressesprecher sei ihm auf den Leib geschneidert gewesen. Das ist das beste Kompliment, mit dem man sich in den Ruhestand verabschieden kann.NADJA HOFFMANN