Von Zeit zu Zeit verlangt mein Computer nach einem Update. Meistens erklärt er mir auch, warum. Das klingt dann sehr vernünftig: Fehler würden durch das Update behoben, Prozesse schneller durchgeführt, Rechenkapazität gespart, dadurch schließlich Energie gespart und die Umwelt geschont. Anders gesagt: Wenn ich das Update durchführe, dann geht’s für Ministerpräsident Markus Söder vielleicht doch ohne neue Kernkraftwerke. Und der Freistaat hat mehr Geld für Weltraummissionen und Adventskonzerte mit Florian Silbereisen.
Allerdings sind Updates wie Vorsorgeuntersuchungen. Man weiß vorher nie, was sich dadurch ändert. Beispiel: Seit dem letzten Update des Betriebssystems läuft auf meinem Rechner eine Diashow mit Fotos, die auf meiner Festplatte gespeichert sind. Das passiert einfach so, nicht bildfüllend, sondern in einem kleinen Fenster am Rand. Ich arbeite also an Texten, und links davon lurt eine Erinnerung ums Eck. Es wäre schön, würden einem da Bilder von Familienfeiern oder Ausflügen in die Berge angezeigt, würde also der Rechner unentwegt säuseln: „Schau, wie schön dein Leben ist!“ Auf meiner Festplatte lagern aber viele Bilder, die ich aus beruflichen Gründen gespeichert und aus Faulheit nicht gelöscht habe, etwa Fotos von Dreharbeiten. DerEffekt:Mein Rechner erinnert mich eben nicht an den süßen Neffen, sondern an einen ziemlich blutrünstigen Mord, den ich mal für eine Krimireihe inszenierte. Schreiben Sie mal eine lustige Kolumne bei dem Anblick!
Dennoch habe ich es damit noch gut erwischt. Denn Film lebt von Fantasie und Illusion. Alles, was auf meinen Dienstfotos zu sehen ist, ist nur ein Spiel. Man bedenke allerdings die Berufsbilder anderer Berufsbilder. Ich kenne Hautärzte, Besamungstechniker und Installateure. Und ich will gar nicht wissen, was denen entgegenblickt, wenn sie ihren Rechner hochfahren. Eigentlich sollte man derartige Berufsgruppen vor dem letzten Update warnen. Oder noch besser: Gleich das ganze Silicon Valley auf Schadensersatz verklagen! Und von der Schadenssumme bezahlt man dann Adventskonzerte mit Florian Silbereisen auf dem Mars.
Ich habe einen Verdacht: Die Fotos auf meinem Desktop sind ein virtueller Hilfeschrei meiner prall gefüllten Festplatte. Mein Rechner wird mir so lange blutige Bilder von Maskentests vor die Nase knallen, bis ich endlich anfange, meine Mediathek zu entmüllen. Ich fürchte, er hat recht. Aktuell zeigt er mir das Bild eines Requisits aus dem Jahr 2013 an. Es handelt sich um eine Breze. Ob das die Ewigkeit wirklich braucht?