Nicht im Sondierungsteam der CSU: der gescheiterte OB-Kandidat Clemens Baumgärtner. © Jens Hartmann
Der künftige OB Dominik Krause setzt am Willy-Brandt-Platz in Riem mit Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (li.), BA-Chef Stefan Ziegler (2. v. re.) und Friederike Fuchs von der Bezirksregierung den Spatenstich. © Nagy
Münchens künftiger OB steht vor einem Sandhaufen, die Schaufel in der Hand, und lächelt. Nach dem intensiven Wahlkampf, der ihn an die Spitze des Rathauses geführt hat, wirkt Dominik Krause (35, Grüne) gelöst. Einer seiner ersten Termine als designierter OB führt ihn zu einem Projekt, das seinem Vorgänger Dieter Reiter (67, SPD) besonders am Herzen lag. Zum Umbau des Willy-Brandt-Platzes vor den Riem-Arcaden, der mehr Bäume und einen Brunnen erhalten soll. Spatenstich war am Freitag.
Nun fällt der Termin in Krauses Amtszeit – das freut ihn: Für ihn sei es ein „zentrales Thema, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und mehr Grün in die Stadt zu bringen“. Künftig möchte er weitere solche Projekte anstoßen. Dafür benötigt er jedoch Koalitionspartner im Rathaus. Für die Mehrheit braucht man 41 Stimmen, die Grünen allein haben 21 Sitze. Mit wem zusammen Krauses Partei regieren will, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Gerade haben Sondierungsgespräche begonnen: Am Freitag trafen sich die Grünen mit der SPD, für Samstag sind Gespräche mit der CSU geplant. Mit wem Krause lieber regieren würde, lässt er offen: „Ich kann mir das mit beiden Fraktionen gut vorstellen.“ Wichtig seien ihm in den Verhandlungen die Themen, die er bereits im Wahlkampf bespielt hatte: „Wir müssen schneller vorankommen bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Und wir müssen Mietwucher sowie Leerstand konsequenter bekämpfen“, sagt er.
Bei der Sondierung wird Krause von den grünen Fraktionschefs Mona Fuchs und Sebastian Weisenburger sowie den Münchner Parteispitzen Svenja Jarchow-Pongratz und Florian Siekmann begleitet. Für die SPD verhandeln Bürgermeisterin Verena Dietl sowie Christian Köning, Anne Hübner und Anno Dietz. Sie reden darüber, ob eine Fortführung der bisherigen Koalition (Grüne, SPD, Volt und Rosa Liste) möglich ist. Auch eine Regierungsbeteiligung der CSU ist denkbar. Grüne und CSU vertreten zwar insbesondere bei Verkehrsthemen verschiedene Positionen, Krause sagt aber: „Manchmal wohnt gerade einer unüblichen Zusammenarbeit ein gewisser Zauber inne, weil man Dinge überwinden kann, bei denen man sich sonst kloppt.“
Bei der CSU rumort es derweil. Der gescheiterte OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (49) ist nicht mal Teil des Verhandlungsteams. Vor der Stichwahl hatte die CSU in der Hoffnung auf eine rot-schwarze Regierung Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) empfohlen. Dieses Kalkül ging nicht auf. Reiter unterlag. Baumgärtner plädierte kurz nach Krauses Wahlsieg für ein grün-schwarzes Bündnis. Das sorgte für Wirbel in der eigenen Partei. Nun verhandelt die CSU mit den Grünen – aber ohne Baumgärtner. Für die CSU sondieren Fraktionschef Manuel Pretzl, Josef Schmid (Landtagsabgeordneter) sowie der Münchner Parteichef Georg Eisenreich. Baumgärtner muss das als Demütigung empfinden. Er sagt: „Ich kommentiere das nicht.“JULIAN LIMMER