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Immer da, wo‘s brennt

von Redaktion

„Auf Streife“: Nachtschicht mit der Polizei – damit München ruhig schlafen kann

Zugführer Marius G. leitet die Nachtschicht.

Konzentriert bei der Arbeit: USK-Beamte bereiten sich auf einen Zugriff vor.

Der erste Einsatz führt auf den Nockherberg. Ab 22 Uhr sind die Beamten auf den Straßen unterwegs.

Manchmal geht es Schlag auf Schlag bei der Nachtschicht der Einsatzhundertschaft. © Jens Hartmann (4)

Sie geben alles, schützen uns, sorgen für Sicherheit: Tausende Einsatzkräfte leisten ihren Dienst in München – wir begleiten sie. Heute: Unterwegs mit einer Einsatzhundertschaft der Polizei.

Freitagabend in München: Die Stadt steuert ins Wochenende, und für die Polizei beginnt die besonders einsatzreiche Zeit. Alle Streifen, die zwischen Pasing und Bogenhausen unterwegs sind, wissen aber: Sie sind nicht allein. Denn auch für die Einsatzhundertschaften (EH) des Präsidiums beginnt um 22 Uhr die Nachtschicht. Die Beamten fahren bis 6 Uhr früh Streife und unterstützen die Wachen bei ihrer intensiven Arbeit. Wir haben die zweite Einsatzhundertschaft dabei begleitet.

Man könnte meinen, dass eine Nacht lang ist. Doch wirklich Zeit zum Durchschnaufen haben Zugführer Marius G. (32) und Gruppenführer Daniel M. (32) nicht. „Das ist nicht in jeder Nachtschicht so“, versichert Marius, aber an diesem späten Freitagabend geht es Schlag auf Schlag.

Mit fünf Gruppen ist die „Zweite“ im Abschnitt Ost unterwegs. Eines der ersten Ziele: der Nockherberg, wo um kurz nach 22 Uhr Massen angeheiterter und oft auch sehr betrunkener Menschen zum Ausgang strömen. Eher schlecht ist die Stimmung bei den Streithähnen, die für einen Polizeieinsatz sorgen. Als die Beamten eintreffen, werden sie von einem Sicherheitsbeamten in Empfang genommen: „Herzlich willkommen im Kindergarten Nockherberg.“ Die Kurzform des Dramas: Mehrere junge Leute (alle haben um die zwei Promille intus) geraten in Streit, weil einer das falsche Mädchen um Feuer gebeten hat. Drei dreschen auf den „Bösewicht“ ein. Im Raum steht gefährliche Körperverletzung.

Als es kurz darauf weitergeht, wird ein „316er“ über Funk gemeldet. Trotz des Polizeiaufgebots an der Hochstraße ist ein Betrunkener auf einen E-Scooter gestiegen und wollte losfahren. Gegen ihn wird jetzt wegen Trunkenheit im Verkehr ermittelt. Grundlage: Paragraf 316 des Strafgesetzbuches. Um Hochprozentiges geht es kurz darauf auch bei einem Einsatz am Leuchtenbergring: Auf dem verlassenen Areal der einstigen Bundesmonopolverwaltung für Branntwein in Berg am Laim wurden Eindringlinge gesehen. Nach dem Menschentrubel am Nockherberg wirkt die Szenerie jetzt eher gespenstisch: Marius G. und Daniel M. leuchten die Zugänge mit starken Taschenlampen ab. Auffälliges sehen sie nicht. Also brechen sie wieder auf.

Kurze Zeit später folgt schon der nächste Alarm. Gleich mehrere Gruppen der zweiten EH eilen mit Blaulicht und Martinshorn in die Messestadt Riem. Am Platz der Menschenrechte wird der zweite Brand an diesem Abend gemeldet. Als die Polizisten ankommen, ist die Feuerwehr Riem schon bei der Arbeit. Drei Jugendliche hatten den brennenden Mülleimer gesehen und den Notruf gewählt. „Wir sind Helden“, ruft einer im Spaß den Beamten zu. Die nehmen die Situation ernst.

Bereits eine Stunde zuvor hatte in der Nähe Sperrmüll gebrannt. Marius G. teilt ein, welche Beamten vorerst vor Ort bleiben – als wieder ein Funkspruch eingeht. Messerbedrohung in einer Wohnung nahe des Arabella-Hochhauses! Während der Blaulicht-Anfahrt bekommt die Gruppe mehr Infos: Zwölf weitere Streifen sind im Einsatz, auch das Unterstützungskommando ist vor Ort. Beamte der Sondereinheit ziehen sich gerade Kettenhemden an, andere machen sich mit einer Ramme bereit, die Wohnung zu stürmen. Soweit kommt es nicht: Bevor sich die Lage zuspitzt, wird die Tür geöffnet. Zwei Männer sind in Streit geraten, ein Messer war wohl nicht im Spiel. Als die beiden befragt werden, kocht die Stimmung noch einmal hoch. „Wir sehen uns in Stadelheim“, schreit einer dem anderen entgegen.

Eine blutige Schlägerei vor einem Lokal am Rosenheimer Platz gehört für die EH in dieser Nacht noch genauso zu den Einsätzen wie Verkehrskontrollen und eine klassische Ruhestörung in der Westerhamer Straße. Zwei Nachbarn, jeder wirft dem anderen vor, zu laut zu sein. Es geht hin und her, keiner gibt nach. „Für heute ist Schluss“, wird Daniel M. strenger. „Hier ist jetzt Ruhe.“ Für ihn und seine Kollegen geht es weiter. Sie sind bis zum Morgengrauen auf Streife, damit München ruhig schlafen kann.NADJA HOFFMANN

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