Skandal im Sperrbezirk

von Redaktion

Mitten in der Au: Prostituierte aus Vietnam schafften im Hotel an

Willkommen im Rotlichtmilieu: Zwei asiatische Prostituierte öffnen ihre Türen im Living Hotel an der Rablstraße.

Im fünften Stock dieses Hotels in der Au wohnten die Prostituierten. © Thomas Gautier (3), imago

Roter Teppich, hellbraune Wände, langer Gang: Der fünfte Stock des Derag Living Hotels am Deutschen Museum sieht aus wie jeder andere Hotelflur. Nur die weißen Klingelknöpfe neben den 47 Türen sind außergewöhnlich. Doch richtig wild wird es, wenn man einige von ihnen drückt.

Bei Zimmer 8 am einen Ende des Flurs öffnet eine geschminkte Dame in roter Spitzen-Korsage die Tür. Sie stammt aus Asien. Sie nickt kurz, lächelt – und bittet einen mit ausholender Armbewegung hinein. Gegenüber in Zimmer 7 öffnet eine junge Frau. Auch sie tritt einen Schritt zurück und bittet ins Zimmer. In Zimmer 46 führt eine dritte Frau in asiatischer Sprache laut ein Telefongespräch. Nach dem Klingeln öffnet sie die Tür und macht Platz, damit man eintreten kann.

Hereinspaziert zum Sex: Im unscheinbaren Mittelklassehotel an der Rablstraße haben sich Prostituierte breitgemacht. Das 327-Zimmer-Haus gehört zur Münchner Derag Livinghotels AG + Co. KG (18 Hotels) und bietet auch Apartments für längere Aufenthalte an. In solchen Räumen schafften die Frauen an. Auf Nachfrage, ob sie Deutsch können, schütteln sie den Kopf. Englisch? Nur ein wenig. Woher sie kommen? Aus Vietnam. Ob sie freiwillig hier sind oder zur Prostitution gezwungen werden, ist unklar. Ihre Dienste bieten die Frauen im Internet an. Angegebener Treffpunkt: Rablstraße 10, mitten im Sperrbezirk. Dort ist das „Anbahnen und Ausüben von entgeltlichen sexuellen Dienstleistungen“ verboten (siehe Kasten).

Das Unternehmen geht transparent mit dem Problem um. Vorstand Lars Dünker: „Dienstag vergangener Woche sind wir erstmalig von einem Gast mit der Vermutung konfrontiert worden. Es ging um fünf Damen aus Vietnam, die unser Haus mittlerweile verlassen haben.“ Die Frauen waren seit Ende Februar im Hotel, am Montag seien die letzten ausgezogen. Dünker: „Es ist beim Empfang der Gäste nicht ersichtlich, wer aus welchen Gründen eincheckt.“ Aus Datenschutzgründen sei man nicht berechtigt, das zu hinterfragen.THOMAS GAUTIER

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