Im Einsatz für die Flurkreuze

von Redaktion

Nur noch wenige Exemplare vorhanden

Restauratorin Doris Zeidler bei der Arbeit am Feldkreuz auf dem Permoserplatz. © Michael Förster

Der Berg-am-Laimer Michael Förster setzt sich für den Erhalt von Feldkreuzen ein. Hier steht er am Feldkreuz auf dem Permoserplatz. © Marcus Schlaf

Wäre das Flurkreuz noch an seinem ursprünglichen Standort, dann würde es heute mitten auf der Kreillerstraße vor der Tankstelle stehen. Denn als es im Jahr 1880 errichtet wurde, war die heutige B304 nur ein kleiner Feldweg zwischen ausgedehnten Äckern und Wiesen, der von Berg am Laim Richtung Gronsdorf führte. Dort trafen sich auch die Wege nach Daglfing und zum Perlacher Wald. Im Zuge des vierspurigen Ausbaus der Kreillerstraße wurde das Flurkreuz dann an seinen aktuellen Standort am Permoserplatz umgesetzt. Inzwischen steht es unter Denkmalschutz. Vergangenes Jahr wurde es vom Baureferat in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege aufwendig restauriert und konserviert.

Der Berg-am-Laimer Michael Förster hat die Geschichte des sogenannten Rieger-Kreuzes recherchiert. „Wahrscheinlich wurde es von Joseph Maierbacher, Riegerbauer zu Berg am Laim, errichtet.“ Er soll sehr wohlhabend gewesen sein, sein kunstvoll gestaltetes Familiengrabmal am Friedhof St. Stephan weist ihn als „Privatier und Ökonom“ aus. Förster hat ein Verzeichnis mit der Geschichte von insgesamt 16 Flurkreuzen und Bildstöcken in seiner Umgebung angelegt. Anlass war ein entsprechender Aufruf seines Pfarrverbands „Vier Heilige Trudering-Riem“ vor zwei Jahren. „Ich dokumentiere gerne alte Sachen“, meint der 72-Jährige schmunzelnd. „Je mehr man darüber weiß, desto eher wird es erhalten.“ Neben dem Hintergrund ist ihm der Blick auf den Wert und den Zustand der Kreuze wichtig.

„Flurkreuze, auch Feld- oder Wegkreuze genannt, wurden in katholisch geprägten Gegenden zur Orientierung im Gelände, beispielsweise am Ortsausgang, an einer Wegkreuzung, oder am Ort eines besonderen Ereignisses errichtet.“ Anlässe gab es viele: Ein Flugzeugabsturz, ein tödlicher Verkehrsunfall, ein verheerendes Unwetter – oder auch aus Dankbarkeit bei einem solchen Unglück verschont worden zu sein. Aber auch die Geburt eines langersehnten Sohns in der Bauernfamilie oder die Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft konnten Beweggründe für ein Kreuz sein. Zudem sollte die Präsenz des christlichen Glaubens im öffentlichen Raum gefördert werden.

Durch die sich ausweitende Stadt sind viele Flurkreuze verschwunden. Innerhalb Münchens gibt es laut Stadt noch rund 100 Exemplare. Die gelte es zu schützen, findet Förster. Gerade hat er einen Antrag auf Renovierung von drei Kreuzen in seiner Umgebung gestellt. Bei einem rosten die Christus- und Maria-Skulptur. Das Baureferat hat sie alle bereits auf seiner Liste, man warte nur noch auf besseres Wetter. Beim Kreuz an der Karotschstraße sei auch schon der Titulus, die Aufschrift, rekonstruiert worden.

Die Abteilung Gartenbau der Stadt ist für den Erhalt und die Pflege der 61 Kreuze auf städtischem Grund zuständig. Alle anderen sind privat oder gehören Kirchen. „Zu den häufigsten Aufgaben zählen die Reinigung sowie die Konservierung des Holzes“, sagt ein Referatssprecher. Manchmal seien aber größere Restaurierungsarbeiten erforderlich. So wurden 2025 die Flurkreuze Am Mitterfeld, An der Point und in der Riemer Straße restauriert. Alle drei wurden von Andreas Weber, dem verstorbenen Leiter der Straßenmeisterei Riem, errichtet, hat Förster recherchiert. „Weber war es damals ein persönliches Anliegen, an verkehrsreichen Stellen ein solches Feldkreuz aufzustellen.“ Der Blumenschmuck an den Feldkreuzen werde in der Regel von den Bürgern vorgenommen.CARMEN ICK-DIETL

Artikel 3 von 10