Das Einbruchshaus im Stadtteil Laim.
„Es ist sehr belastend:“ Mutter Ümmü Kurt zeigt das bodentiefe Fenster, an dem sich der Einbrecher zu schaffen machte. Ihr Sohn will nun nicht mehr allein in dem Zimmer schlafen. © Markus Götzfried (2)
Ümmü Kurt (37) will schon länger raus aus ihrer Wohnung. Seit 2020 lebt die gelernte Buchhalterin und Versicherungskauffrau mit ihrem Mann Emrah (38) und den zwei Kindern (1 und 4) auf nur 40 Quadratmetern. Doch seit Kurzem hält sie es gar nicht mehr in der Eineinhalb-Zimmer-Wohnung aus. Weil ein Mann ins Kinderzimmer ihres Sohnes (4) einbrechen wollte.
Vor einigen Tagen meldete die Polizei den Fall: Am 23. März hatte ein 24-jähriger Rumäne versucht, in die Hochparterre-Wohnung in Laim einzusteigen. Ümmü Kurt: „Es war kurz nach 20 Uhr, mein Mann und ich waren in der Küche. Ich habe dann Knirschgeräusche gehört und dachte, dass da was nicht stimmt. Ich bin ins Kinderzimmer und sah ihn am Fenster stehen.“ Ihr Sohn schlief gleich neben dem bodentiefen Fenster – Ümmü Kurt schrie, der Mann flüchtete. Die Polizei konnte ihn schnell fassen.
Nur ein Sprung im Fensterglas erinnert an den Einbruch – für die Familie ist die Sache aber längst nicht ausgestanden. „Es ist sehr belastend“, sagt die Mutter. Ihr Sohn sei traumatisiert. „Er will nicht mehr allein in seinem Zimmer schlafen, er will dort nicht mal mehr allein spielen.“ Auch Ümmü Kurt hat es ins Mark getroffen. Wenn sie aus dem Haus geht, zieht sie alle Fensterläden zu. „Ich bin gerade wirklich paranoid.“
Die Familie will deshalb so schnell es geht aus der Wohnung raus – findet aber nichts. „Wir warten ja schon seit sechs Jahren auf eine Sozialwohnung“, sagt die gebürtige Münchnerin. „Wir sind in der höchsten Dringlichkeitsstufe, finden aber nichts. In all den Jahren wurde ich nur zu einer Besichtigung eingeladen.“ Die Wohnung sei aber zu teuer gewesen, sagt Kurt. Und für eine vierköpfige Familie nicht geeignet. „Im Kinderzimmer passte nur das Bett rein, aber kein Schrank. Wie soll das gehen?“ 1600 Euro warm könne die Familie für Miete ausgeben – mehr nicht. Ihr Mann, ein gelernter Bäcker, ist gerade arbeitssuchend, sagt Kurt. Sie kümmere sich um die Kinder. „Aber die Stadt kann uns nicht helfen. Man hat mir gesagt, dass man im Schnitt zwölf Jahre auf eine Sozialwohnung wartet!“ So lange würde sie es in der Wohnung nicht mehr aushalten. Schon gar nicht nach dem versuchten Einbruch.
Für geförderte Wohnungen ist das Sozialreferat zuständig. Dort macht man der besorgten Mutter wenig Hoffnung; Laut Sprecher suchen aktuell 23.000 Haushalte eine Sozialwohnung – von denen gibt es jährlich aber nur 3200. „Die Nachfrage nach gefördertem Wohnraum ist so hoch, dass durchschnittlich rund 350 Bewerbungen auf ein Wohnungsangebot kommen“, so der Sprecher. „Darunter auch viele vergleichbare Fälle mit hoher Dringlichkeit und Wohndauer.“
Zwölf Jahre Wartezeit kann der Sprecher pauschal nicht bestätigen. „Bei einer sehr hohen Dringlichkeit kann es sein, dass der Haushalt innerhalb kürzester Zeit eine Wohnung bekommt, bei einer geringen Dringlichkeit vielleicht nie.“THOMAS GAUTIER