1860-Graffiti in München am Schyrenbad. © privat
Das Graffiti an der Schwanseestraße 23 sorgte zuletzt für mächtig Ärger. © Marcus Schlaf
Volles Haus beim Heimspiel gegen Mannheim am 4. April. Am Rande der Partie kam es zu Sachbeschädigungen. © Eibner-PresseFoto, Heike Feiner
Sie haben die Nase voll: Sowohl Anwohner als auch die Polizei sind genervt von Fußballfans, die ihre Schmierereien an Gebäuden und Wohnhäusern hinterlassen. Nachbarn aus Untergiesing-Harlaching hatten sich kürzlich beim zuständigen Bezirksausschuss (BA) beschwert und die zunehmende Verwahrlosung ihres Stadtbezirks beklagt.
Neben den Stickern auf Verkehrsschildern sorgen Graffiti und andere Schmierereien der Fußballfans für besonders großen Ärger. Die Bürger fordern deshalb, dass der TSV 1860 München die Reinigungskosten übernehmen soll.
Der neueste Streich der Löwen-Schmutzfinken: In der Nacht auf Samstag bemerkte ein Zeuge an einem Gebäude in der Schwanseestraße vier junge Männer. Sie hantierten mit Sprühdosen und hinterließen an Hauswänden zwei großflächige Graffiti (TSV und SEK-SV). Dank des aufmerksamen Nachbarn konnten Beamte die Sprayer noch vor Ort festnehmen.
Unter ihnen: zwei polizeibekannte Gesichter, ein 19-jähriger Hooligan und ein 21-jähriger Gewalttäter. Der Rest der Truppe, ein 16-Jähriger und ein 19-Jähriger, war zuvor nicht aufgefallen. Im Auto und in den Wohnungen der Tatverdächtigen fanden die Beamten Sprühdosen und Schablonen. Außerdem wurden Handys und Laptops beschlagnahmt.
Alle jungen Männer wurden wegen Sachbeschädigung angezeigt. Der Schaden an den Gebäuden beläuft sich auf mehrere tausend Euro. Für den 21-Jährigen gibt es weitere Konsequenzen: Er darf generell keine Graffiti-Utensilien mit sich führen – falls er es doch tut, droht ihm ein Bußgeld – auch dann, wenn er nicht beim Sprayen erwischt wurde. Über die Höhe der Strafe entscheidet jetzt das Kreisverwaltungsreferat (KVR).
Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurden alle Sprayer entlassen. Die Polizei prüft nun ein bundesweites Stadionverbot gegen die vier Männer. Dahinter steckt eine neue Strategie: Die Beamten wollen zukünftig härter gegen Sprayer im Fußballkontext vorgehen, erklärte ein Sprecher der Münchner Polizei während einer Pressekonferenz am Dienstag. Ob ein Stadionverbot verhängt wird, können die Beamten aber nicht im Alleingang entscheiden. Die Vereine und Stadionbetreiber haben natürlich ein Wörtchen mitzureden. Der FC Bayern und der TSV 1860 wollten sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zu einem möglichen Stadionverbot äußern. Ein Gesetz zum Stadionverbot gibt es übrigens nicht – Fans, die sich während oder außerhalb eines Fußballspiels danebenbenehmen, bekommen also nicht automatisch Hausverbot im Stadion.L. SCHÜTZ, V. SUPPÉ