MÜNCHNER FREIHEIT

Vom Suchen und Finden

von Redaktion

Es ist positiv erschreckend, wie schnell man momentan von A nach B kommt. Gefühlt sind alle Münchner irgendwo im Osterurlaub. Vielleicht wedeln sie noch einen Hang hinunter und genießen den letzten Schnee oder die warmen Sonnenstrahlen irgendwo am Meer. Vielleicht sind sie auch im Bundesland geblieben und „nur“ an einem unserer schönen Seen im Voralpenland. Eventuell haben sie sich auch nur gut versteckt. Ich werde nicht suchen. Ich genieße die Ruhe an den schönen Plätzen, die ich so noch nie vorgefunden habe. Ostern ist ja sowieso das Fest des Suchens und Findens.

Demzufolge könnte bei mir das ganze Jahr Ostern sein. Ich suche immer irgendwas. Wenn auch nur kurz. Bei manchen „Verlusten“ erschrecke ich mehr, bei anderen weniger. Wenn ich zum Beispiel mein Handy verloren habe – das meine ich zumindest in besagtem Moment – dann durchfährt mich ein ganz komisches Gefühl: Hitzeschub gepaart mit Knieschwammerl. Das schönere Gefühl ist die Erleichterung, wenn man es wiederfindet.

So war das auch am Karsamstag bei den Karten, die ich meinem Mann zu Weihnachten für ein „Krachspektakel“ der Extraklasse im Prinzregententheater geschenkt habe. Meine hatte ich sehr schnell, aber ich hebe auch immer alle anderen Karten auf, damit sie nicht verloren gehen. Ich war mir so sicher. Und da war er wieder, dieser Moment, Schweißausbruch und aufgestellte Nackenhaare. Ich wollte meinen Mann gar nicht beschuldigen, dass er die Karte doch selbst irgendwo hatte.

Ich hatte schon in Kauf genommen in Jogginghose und unfrisiert aus dem Haus zu rennen, weil ich wohl bis zur letzten Minute suchen muss. Aber dann war sie auf einmal da. Genau hinter meiner. Sie hatte sich nur ganz fest an meine Karte geklammert, um wohl nicht verloren zu gehen.

Während ich auf der Suche nach den richtigen Worten für diese Kolumne bin, hat unser Fernseher passend zu Ostern einige Programme versteckt, sodass mein Mann den Sendersuchlauf durchgeht und alle Programme wieder auf den richtigen Platz rückt. Das ist für ihn weder schönes Suchen noch Finden, aber er macht das mit einer Engelsgeduld.

Schneller geht all das Suchen und Finden über die Internet-Suchmaschinen, diese verarbeiten über zwei Billionen Suchanfragen im Jahr! Ich habe aus Spaß eine Testanfrage gestartet: „Wo ist mein Autoschlüssel?“ Prompt kommt Rat von der KI: „Keine Panik. Gehen Sie ein paar Schritte zurück, prüfen Sie Jackentaschen, Taschen und den Bereich zwischen den Autositzen…“ Ich wollte dann nicht mit ihr diskutieren, dass ich erst mal in das Auto kommen müsste, um zwischen den Sitzen nach dem Schlüssel zu suchen, aber es war ja auch nur ein Versuch.

Und sollte ich mal unerwartet nicht zu Hause sein, dann bin ich mich vielleicht suchen gegangen, wenn ich allerdings wieder da bin, bevor ich zurückkomme, dann sagt mir bitte, ich soll auf mich warten, ich finde schon heim.

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