Rund um die Uhr unterwegs

von Redaktion

Im Dienst der Sicherheit: Auf Streife mit der Münchner U-Bahnwache

Rainer Cohrs ist der Leiter der U-Bahnwache.

Fahrgästen helfen: Auch das ist eine der Kernaufgaben der U-Bahnwache.

Sie sorgen für Sicherheit: Thomas Romdorf und Heiko Ritter (v. l.) von der U-Bahnwache. Mindestens sieben Streifen sind in München rund um die Uhr unterwegs. © Marcus Schlaf (3)

Zielstrebig gehen Heiko Ritter und Thomas Romdorf auf einen Mann zu. Er liegt quer auf den Sitzen am U-Bahnsteig an der Station Karlsplatz (Stachus). Unter ihm eine beige Decke, die dunkle Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Es ist etwa 11 Uhr am Vormittag, der Mann schläft. „Hallo, die U-Bahnwache“, sagt Ritter und rüttelt den Mann sanft wach. „Sie können hier nicht schlafen. Wo wollen Sie denn hinfahren?“ Als sich herausstellt, dass der Mann die U-Bahn nicht nutzen will, sagt Ritter: „Wir nehmen sie mit nach oben. Bisschen frische Luft schnappen.“ Der Mann versucht noch zu verhandeln, doch geht er schließlich gemeinsam mit Ritter und Romdorf an die Oberfläche.

Ein solcher Einsatz gehört bei der U-Bahnwache zum Alltag. „U-Bahnhöfe sind keine Aufenthaltsorte“, erklärt Rainer Cohrs, Geschäftsführer der U-Bahnwache sowie Leiter der Konzernsicherheit bei den Stadtwerken München und der Münchner Verkehrsgesellschaft. Die U-Bahnwache ist bereits seit 1989 in München im Einsatz. Rund um die Uhr sind mindestens sieben Streifen unterwegs und zusätzlich zivile Mitarbeiter. Sie alle sorgen für den Schutz der Fahrgäste und des Betriebspersonals. „Die Münchner U-Bahn ist sehr sicher. Die allermeisten Fahrgäste sind friedliche Menschen“, sagt Cohrs.

An diesem Vormittag helfen die zwei Einsatzleiter vom Dienst, Ritter und Romdorf, unter anderem verirrten Touristen. In den Sperrengeschossen am Sendlinger Tor und am Hauptbahnhof weisen die zwei außerdem mehrere Fahrgäste darauf hin, dass dort nicht geraucht werden darf. Die meisten reagieren entspannt, drücken die Zigarette aus. Manche sind aber auch genervt. „Ich bin ja schon weg“, sagt eine etwa 50-jährige Frau pampig und verschwindet schnell an der Oberfläche. Es dauert nicht lange, da fragen Fahrgäste die beiden nach dem Weg. „Hilfeleistungen gehören zu den Hauptaufgaben“, sagt Ritter.

„Schwierigere Fälle sind Körperverletzungen.“ Wenn Fahrgäste sich untereinander angehen. Romdorf ergänzt: „Manchmal werden sie auch uns gegenüber handgreiflich.“ Die 125 Mitarbeiter tragen eine schuss- und stichsichere Weste sowie Pfefferspray, eine Taschenlampe, Einmalhandschuhe, ein Funkgerät, Handschellen – und eine Schusswaffe. Letzteres ist bundesweit besonders. „Zum Glück ist die Waffe noch nie zum Einsatz gekommen“, sagt Cohrs. Einmal hat ein Kollege seine Waffe ziehen müssen. Geschossen worden ist aber nie.

Auch wegen der Bewaffnung ist das Auswahlverfahren bei der U-Bahnwache streng. „Wir müssen uns bei den Menschen zu 100 Prozent sicher sein“, sagt Daniel Habibovic, Leiter vom Operativen Dienst. Die Ausbildung dauert viereinhalb Monate. Rechtskunde, Sporttests, Psychologie und vieles mehr stehen auf der Liste.

Insgesamt gibt es in München 100 U-Bahnhöfe und etwa 1,3 Millionen Fahrten am Tag. Viel Koordination ist etwa bei Fußballspielen oder während der Wiesn nötig. „Großveranstaltungen sind eine besondere Herausforderung“, sagt Romdorf auf der Rolltreppe hoch ins Sperrengeschoss am Stachus. Dort liegt ein weiterer schlafender Mann. Die zwei Einsatzleiter wecken ihn auf. Der Mann packt grummelnd seine Sachen zusammen. „Das ist eine Daueraufgabe“, sagt Romdorf. Und die ist nicht immer leicht. Schließlich steckt immer ein Schicksal dahinter.FRANZISKA WEBER

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